Melbourne – Kaffee, Laneways und Sommer-Weihnachten
Melbourne zeigte sich von seiner entspannten Seite: Kaffee, Laneways, kostenlose Trams und das ACMI – ein Tag ohne Programm, der genau richtig war.

Von Tasmanien nach Geelong ging es mit der Tagesfähre. Rund elf Stunden auf dem Wasser, aber erstaunlich angenehm. Alles war gut organisiert, die Plätze bequem, die Fahrt ruhig. Fast wie bei unserer Nachtfähre vor zweieinhalb Wochen – nur diesmal mit Tageslicht und weniger Schlafambitionen.
So kamen wir ziemlich gelassen zurück aufs Festland. Melbourne kannten wir bereits, und wir mögen die Stadt. Deshalb sollte es diesmal kein grosses Programm werden. Kein Abhaken, kein Stress, kein «das müssen wir noch sehen». Einfach ein Tag in der Stadt.
Geparkt haben wir etwas ausserhalb, von dort ging es mit dem Zug hinein. Schon das machte den Start angenehm. Kein Innenstadtverkehr, keine Parkplatzsuche, kein unnötiges Herumkurven. Einfach einsteigen und ankommen. Manchmal sind es die kleinen Dinge.
Melbourne zeigte sich an diesem Tag von seiner freundlichen Seite. Sonnig, warm, blauer Himmel. Also genau die Wettervariante, bei der man kurz vergisst, dass diese Stadt sonst auch gerne vier Jahreszeiten an einem Tag durchspielt. Zwischen Palmen und Sommerlicht hingen Weihnachtssterne und Girlanden. Diese Mischung aus Hitze, Festtagsdekoration und Menschen in Shorts fühlt sich für europäische Köpfe immer noch leicht falsch an. Aber Australien zieht das konsequent durch.
Kaffee war natürlich Pflicht. Melbourne nimmt Kaffee nicht einfach ernst, Melbourne behandelt Kaffee fast wie eine städtische Grundversorgung. Kleine Cafés gibt es gefühlt in jeder Gasse, und der Espresso wird hier nicht gemacht, sondern verhandelt. Eggs Benedict dazu, und wir waren offiziell wieder angekommen.
Danach fuhren wir eine Runde mit der kostenlosen City Circle Tram. Diese alten grün-cremefarbenen Trams mit Holzsitzen sind genau richtig, wenn man einen Blick auf die Stadt werfen möchte, ohne gleich in den Sightseeing-Modus zu kippen. Ein bisschen ruckeln, ein bisschen schauen, weiterfahren lassen. Sehr unser Tempo.
Später liessen wir uns durch die Laneways treiben. Enge Gassen, Street Art, kleine Cafés, Bars, Läden und immer wieder neue Details an den Wänden. Hosier Lane und die anderen bekannten Ecken verändern sich ständig. Was heute noch da ist, kann morgen schon wieder übermalt sein. Melbourne wirkt dadurch nie ganz fertig. Und das passt ziemlich gut zur Stadt.
Natürlich musste auch das beste Glacé gesucht werden. Inzwischen ist das bei uns keine spontane Idee mehr, sondern fast ein kleiner Auftrag. Man kann schliesslich nicht einfach irgendwo Glacé essen, wenn irgendwo anders vielleicht ein besseres wartet. Reisen bedeutet manchmal auch Verantwortung.
Im ACMI blieben wir dann länger hängen als geplant. Das Museum verbindet Film, Games und Medienkultur, ist kostenlos, modern und angenehm zugänglich. Man läuft durch alte Filmclips, interaktive Stationen, digitale Experimente und kleine Erinnerungen an Dinge, mit denen man selbst aufgewachsen ist. Kein schweres Museum, bei dem man nach zwei Räumen geistig aufgibt. Eher ein ruhiger Spaziergang durch Bilder, Geschichten und Technik, die unseren Alltag längst prägen.
Genau das gefiel uns an Melbourne wieder. Man muss nicht alles sehen, um die Stadt zu mögen. Es reicht, herumzulaufen, Kaffee zu trinken, durch Gassen zu schauen, kurz mit der Tram zu fahren und irgendwo länger zu bleiben, als man eigentlich geplant hatte.
Melbourne ist gross, multikulturell, kreativ und manchmal wettertechnisch komplett unberechenbar. Die Stadt hat eines der längsten Strassenbahnnetze der Welt, eine ziemlich ernste Kaffeekultur und Laneways, die fast täglich ihr Gesicht ändern. Aber am Ende sind es nicht die Fakten, die hängen bleiben. Es ist dieses Gefühl, dass Melbourne funktioniert, ohne sich dauernd beweisen zu müssen.
Ein Tag hat diesmal gereicht.
Praktisches
- Anfahrt
- Mit der Tagesfähre von Tasmanien nach Geelong, dann mit dem Zug vom Parkplatz ausserhalb in die Stadt
- Fahrzeit
- Etwa 11 Stunden Fähre von Tasmanien nach Geelong
- Fahrzeug
- Fähre, dann Zug
- Zeitbedarf
- Ein Tag
Steckbrief
- Ort
- Melbourne, Australien
- Erlebnis
- Ein entspannter Tag in Melbourne ohne festes Programm, dafür mit Kaffee, Laneways und dem ACMI.
- Kontrast
- Weihnachtssterne unter Palmen und blauem Himmel – Sommer und Festtagsstimmung zugleich.
- Tipp
- Die kostenlosen City Loop Trams nutzen und sich dann einfach durch die Laneways treiben lassen.
- Was bleibt
- Man muss nicht alles sehen, um die Stadt zu spüren.
- Bereist
- November 2025