Gibb River Road – Staub, Scones und sehr viel Wellblech
Die Gibb River Road ist kein Sonntagsspaziergang.

Die Gibb River Road ist kein Sonntagsspaziergang. Sie ist eher eine Ausdauerprüfung für Auto, Fahrer und Nerven. Rund 660 Kilometer Staub, Wellblech, Flussdurchquerungen und rotes Outback, das jedes Auto früher oder später fragt: Bist du sicher, dass du das wirklich willst?
Trim McMudflap rumpelte tapfer los.
Der erste Stopp war die Emma Gorge. Ein knackiger Walk über Steine, bei dem man schnell merkt, dass „kurze Wanderung“ in Australien nicht automatisch „gemütlicher Spaziergang mit Aussicht“ bedeutet. Am Ende steht man aber vor einem Wasserfall, der wie aus einer Naturkathedrale in die Tiefe fällt. Das Wasser kalt, das Becken tief, die Kulisse überwältigend. Wir waren abgekühlt, glücklich und noch angenehm naiv, was die nächsten Tage anging.
Danach kam das erste grosse Hindernis: der Pentecost River Crossing. In der Trockenzeit nicht ganz so dramatisch, wie es auf manchen Bildern aussieht, aber trotzdem einer dieser Momente, in denen man kurz die Luft anhält, während das Auto durchs Wasser rollt. Dieses kleine „wir packen das“-Gefühl gehört auf der Gibb wohl einfach dazu.
Ab hier legte die Strasse dann richtig los. Wellblech ohne Ende, Staubwolken wie Nebelmaschinen und Rütteln auf einem Niveau, bei dem man irgendwann nicht mehr sicher ist, ob das Geräusch vom Auto kommt oder vom eigenen Skelett. Wir fuhren an Spuren von Buschbränden vorbei, der Boden noch schwarz, das Feuer teilweise noch aktiv, die Luft voller Aschegeruch. Ein Stück weiter stand ein liegen gebliebenes Auto am Rand. Panne oder platter Pneu, mitten im Nirgendwo. Ein guter Reminder: Auf der Gibb fährt man besser vorbereitet.
Dann kam Ellenbrae Station.
Und Ellenbrae entschädigte für vieles. Scones mitten im Outback – legendär und vermutlich noch besser, weil wir vorher ordentlich durchgeschüttelt wurden. Am Morgen dann ein Bad in alten Wannen zwischen Palmen und Vogelgezwitscher. Luxus ist relativ. Aber genau dort fühlte es sich an wie fünf Sterne. Vielleicht nicht nach Hotelstandard, aber nach Outbackstandard definitiv.
Danach wurde die Strasse etwas gnädiger, und wir erreichten die Manning Gorge. Schon der Start war ein kleines Abenteuer: Erst mussten Kleider und Ausrüstung irgendwie trocken über den Fluss, dann folgte ein sonniger Hike durch die Landschaft, bis man schliesslich die riesige Schlucht erreichte. Wasserfall, grosser Pool, Felsen zum Springen – ein Ort, der ziemlich gut kompensiert, was die Corrugations einem vorher abverlangt haben.
Und vor allem dieses Gefühl, den Staub des Tages einfach abzuwaschen.
Die Bell Gorge war die nächste Belohnung. Terrassenartige Wasserfälle, rotes Gestein, ein grosses Becken und Wasser, das nach Stunden auf der Piste wie eine persönliche Erlösung wirkt. Dort zu schwimmen, unter diesen leuchtenden Felsen, ist Gibb-Romantik pur. Also zumindest die romantische Version mit Staub in den Ohren und Sand in jeder Ritze.
Tunnel Creek brachte dann das Kontrastprogramm. Stirnlampe auf, Schuhe aus, rein in die stockfinstere Höhle. Knietief durchs Wasser, vorbei an Fledermäusen, Tropfsteinen und uralten Felswänden, die Geschichten der Aboriginal People in sich tragen. Am Ende öffnet sich der Tunnel in eine grüne Oase. Mystisch, eindrücklich und leicht absurd.
Ach ja: Im Wasser gibt es auch Krokodile.
Nur Freshies, aber trotzdem. Es ist erstaunlich, wie schnell der Begriff „nur“ an Bedeutung verliert, wenn man im Dunkeln knietief durch Wasser läuft und weiss, dass dort irgendwo Reptilien wohnen.
Danach kam die Windjana Gorge wieder mit Sonne, Weite und einem Schauspiel, das man so schnell nicht vergisst. Mächtige Kalksteinwände, Freshwater-Krokodile, die am Ufer in der Sonne dösten, und dazwischen Wallabies, die durchs Gebüsch hüpften. Naturdoku live. Ganz ohne Sprecherstimme, aber mit deutlich mehr Schweiss.
Am Ende der Gibb waren wir durchgeschüttelt, staubig, müde und ziemlich glücklich. Jeder Schlagloch-Fluch, jedes Rütteln, jedes nervöse Lauschen auf neue Autogeräusche war vergessen, sobald wir in einer dieser Schluchten standen, die so perfekt wirken, dass man sie kaum glauben kann.
Die Gibb River Road ist anstrengend, rau und sicher nicht bequem.
Aber genau deshalb bleibt sie hängen.
Steckbrief
- Ort
- Derby, Australien
- Bereist
- September 2025