Karijini Nationalpark – roter Staub und kaltes Wasser
Karijini ist Kletter-, Rutsch- und Badeerlebnis zugleich. Glasklare Pools belohnen jeden Abstieg in die roten Schluchten.

Der Karijini Nationalpark ist ein bisschen wie ein Abenteuerpark für Erwachsene. Nur ohne viel Polsterung, mit deutlich weniger Sicherheitshinweisen und dafür mit umso mehr rotem Staub. Zwischen rostrot leuchtenden Felsen, engen Schluchten und Wasserlöchern vergisst man erstaunlich schnell, dass man hier eigentlich mitten in einer ziemlich harschen Landschaft unterwegs ist.
Wir kletterten über Steine, balancierten an Felswänden entlang und stiegen über Leitern in schmale Schluchten hinab, die eher nach Indiana Jones aussahen als nach gemütlichem Sonntagsspaziergang. Unten warteten dann glasklare Wasserlöcher. Eiskalt, aber bei 30 Grad am Morgen genau das, was man braucht. Also kurz zusammenzucken, rein ins Wasser und sich dabei einreden, dass das herrlich erfrischend ist.
Hancock Gorge – der Weg zum Kermit Pool
Die Hancock Gorge ist kein Ort für halbherziges Herumwandern. Schon der Weg hinein macht klar, dass das hier mehr Abenteuer als Spaziergang ist. Über glitschige Steine, durchs Wasser und dann irgendwann zum berühmten Spider Walk, bei dem man seitlich an den Felswänden entlanggeht, die Füsse im Bach, die Hände am roten Gestein.
Je weiter man hineinkommt, desto enger, dunkler und kühler wird die Schlucht. Und genau das macht es so gut. Es fühlt sich ein bisschen an, als würde man langsam in eine andere Welt hineinkriechen. Am Ende wartet der Kermit Pool: smaragdgrün, eiskalt und eingebettet zwischen hohen Felswänden. Kein Ort, an dem man einfach nur kurz badet. Eher einer, an dem man kurz alles andere vergisst.
Weano Gorge – Handrail Pool
Die Weano Gorge ist nochmals eine andere Kategorie. Auch hier geht es über Felsen und schmale Passagen hinunter, aber spätestens beim Handrail Pool merkt man, dass der Name nicht einfach zur Dekoration da ist. Das Metallgeländer braucht man tatsächlich. Man hangelt sich damit nach unten, Schritt für Schritt, mit genug Respekt vor dem, was unter einem wartet.
Unten liegt dann dieses tiefe, kühle Becken zwischen steilen Felswänden. Reinzuspringen ist erst einmal eine kleine Schocktherapie. Rauskommen dann eher wieder ein Konzentrationstest. Die ganze Sache ist nicht besonders elegant, aber genau das macht den Reiz aus. Karijini ist eben kein Ort, an dem man geschniegelt und trocken durchkommt.
Dales Gorge – Fern Pool
Dann gibt es noch die etwas ruhigere Seite des Parks: die Dales Gorge. Nach dem Abstieg bei den Fortescue Falls kommt man zum Fern Pool, und dort ändert sich die Stimmung sofort. Alles wirkt grüner, ruhiger und geschützter. Farne, Palmen, dunkles Wasser, weniger Drama, mehr Ruhe.
Der Fern Pool ist nicht einfach nur schön, sondern hat auch etwas sehr Stilles. Dazu kommt, dass er für die Aborigines ein heiliger Ort ist. Entsprechend wird man dort fast automatisch leiser. Kein Ort für grosses Herumgejohle, sondern eher einer, an dem man kurz sitzen bleibt, ins Wasser schaut und einfach versteht, warum dieser Platz mehr ist als nur ein schöner Badestopp.
Karijini war für uns einer dieser Orte, die nicht nur gut aussehen, sondern sich auch nach Erlebnis anfühlen. Man schaut nicht einfach nur in eine Schlucht hinein, sondern klettert hinein, rutscht fast hinein, friert sich hinein und kommt am Ende ziemlich begeistert wieder heraus. Genau so muss ein Nationalpark manchmal sein.
Steckbrief
- Erlebnis
- Klettern, balancieren und ins eiskalte Wasser springen zwischen rostrot leuchtenden Felsen
- Kontrast
- Von Spider Walk und Metallgeländer bis zum meditativen Fern Pool
- Hinweis
- Handrail Pool in der Weano Gorge – runterkommen ist Abenteuer, hochkommen reine Konzentration
- Was bleibt
- Das Gefühl, sich nach jedem Pool selbst neu gestartet zu haben
- Bereist
- September 2025