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Unterwegs in Etappen

Mit dem Bus durch Kirgistan – Die unbekannte Schönheit (Teil 4)

Irgendwann merkt man, dass eine Reise sich dem Ende nähert.Nicht, weil man müde ist – sondern weil sich alles vertraut anfühlt.

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 30. September 2021 Aktualisiert am 21. Juli 2026 4 Min. Lesezeit

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Reiseziel Kirgisistan
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Irgendwann merkt man, dass eine Reise sich dem Ende nähert.
Nicht, weil man müde ist – sondern weil sich alles vertraut anfühlt. Die Strassen, das Fahren, das Alleinsein. Genau dort beginnt dieser Abschnitt.

Nach einer langen, anstrengenden Etappe schlage ich mein Nachtlager unweit von Osh auf. Kein besonderer Platz, kein Highlight. Einfach ein Ort zum Ankommen, Kochen, Abschalten. Manchmal reicht das.


Richtung Süden – ins Alai-Tal

Am nächsten Morgen ist das Ziel klar: das Alai-Tal.
Ich will zum Tulpar-Kul-See und, wenn möglich, einen Blick auf den Lenin Peak erhaschen – 7’134 Meter hoch, an der Grenze zu Tadschikistan. Einer dieser Berge, die man nicht besteigt, sondern respektiert.

Der Weg führt durch Dörfer, dann über den Taldyk Pass auf 3’615 Metern. Es ist jedes Mal überraschend, wie selbstverständlich man sich hier in Höhen bewegt, die andernorts Expeditionen erfordern. Bis Sary Mogul ist die Strasse erstaunlich gut. Danach endet der Komfort.

Ab hier: Naturstrasse. Staub. Weite.
Nach kurzer Zeit bin ich komplett eingehüllt in meine eigene Staubwolke. Nomadencamps tauchen auf, verstreut, ruhig. Und dann: der See.


Tulpar-Kul – hoch, still, weit

Der Tulpar-Kul-See liegt auf über 3’000 Metern. Still, kühl, offen.
Die Landschaft wirkt nicht dramatisch, sondern grosszügig. Raum ohne Absicht.

Ich versuche, die Drohne steigen zu lassen. In dieser Höhe ist das keine Selbstverständlichkeit. Ein paar Aufnahmen gelingen, mehr braucht es nicht. Der Lenin Peak zeigt sich nur teilweise, verschwindet immer wieder in den Wolken. Kein Ärger. Das gehört dazu.

Nach etwa einer Stunde fahre ich zurück. Nicht enttäuscht – eher gesättigt.


Noch eine Nacht draussen

Ich übernachte fast am selben Ort wie am Vortag.
Von hier sind es nur noch dreissig Minuten bis nach Osh. Wieder Nudeln, wieder Kocher, wieder früh ins Bett. Ende August wird es nachts bereits kühl, sobald die Sonne verschwindet.

Am Morgen weckt mich eine Schafherde.
Wie so oft in Kirgistan bleibt der Hirte stehen. Kein Englisch, mein Russisch kaum existent. Trotzdem reicht es für ein paar Worte, ein Lächeln, einen Händedruck. Kommunikation reduziert auf das Wesentliche.


Osh – zurück in der Zivilisation

Heute geht es nach Osh. Hotel. Dusche. Bett.
Nach Wochen im Bus fühlt sich das fast luxuriös an.

Kaum in der Stadt, bereue ich die Entscheidung kurz. Verkehr. Lärm. Menschen. Nach all der Weite wirkt Osh eng. Unruhig. Fast überfordernd.

Ich besuche das Sulayman-Too-Museum, das direkt in den Fels gebaut ist. Es sieht aus wie das Versteck eines Bond-Bösewichts – futuristisch, unerwartet. Von der Aussichtsplattform hat man einen grossartigen Blick über die Stadt. Wer will, steigt noch höher auf den benachbarten Hügel. Osh liegt einem dann komplett zu Füssen.


Alltag statt Abenteuer

Osh ist kein Ort für grosse Entdeckungen.
Es ist ein Ort für Dinge, die unterwegs liegen bleiben: Wäsche waschen, nach Hause telefonieren, ordentlich essen. Ein Stadtbummel. Planung der letzten Reisetage.

Hier steht auch eine der wenigen verbliebenen Lenin-Statuen Kirgistans. Überreste der Sowjetzeit sind rar geworden. Vieles ist verschwunden, anderes bewusst vergessen.


Kumys – Pflichtprogramm

Wer in Kirgistan ist, kommt an кымыз (Kumys) nicht vorbei.
Vergorene Stutenmilch. Nationalgetränk. Kulturgut.

Der Geschmack?
Sagen wir so: verdorbene Milch mit Kohlensäure und einem Hauch Überraschung.

Man bekommt Kumys überall. In PET-Flaschen am Strassenrand, im Laden, zum Essen dazu. Man trinkt ihn nicht, weil er gut ist – sondern weil er dazugehört. Und genau deshalb probiert man ihn mindestens einmal.


Fazit

Dieser Abschnitt fühlt sich leiser an als die vorherigen.
Weniger Neuheit, mehr Vertrautheit. Weniger Staunen, mehr Einordnen.

Kirgistan zeigt hier nicht seine spektakulärste Seite – sondern seine ehrliche.
Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem man merkt, dass eine Reise funktioniert hat.

 

 

Reiseabschnitt Alai-Tal & Osh

Region: Südliches Kirgistan
Charakter: Hochland, Nomadenregion, Stadt
Highlights: Tulpar-Kul, Lenin Peak, Sulayman-Too
Höhenlage: bis über 3’600 m
Besonderheit: starke Kontraste zwischen Natur & Stadt
Getränk: Kumys (optional empfehlenswert 😄)

 

Dieser Beitrag ist keine bezahlte Kooperation. Wir kennzeichnen gesponserte Inhalte und Kooperationen immer deutlich am Artikelanfang.

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