Mit dem Bus durch Kirgistan – Das wilde Kirgistan (Teil 3)
Es gibt Strecken, die fährt man nicht, um anzukommen.Man fährt sie, weil es keinen einfacheren Weg gibt.

Es gibt Strecken, die fährt man nicht, um anzukommen.
Man fährt sie, weil es keinen einfacheren Weg gibt.
Der Abschnitt Richtung Kalmak Ashuu Pass gehört genau in diese Kategorie. Keine Asphaltromantik, keine falschen Versprechen. Die Piste ist rau, offen, wetterabhängig – und nur ein paar Sommermonate überhaupt befahrbar. Neun Monate im Jahr liegt hier Schnee, jetzt liegt Wind.
Die Landschaft wirkt leer. Nicht spektakulär, nicht dramatisch. Einfach da. Flach, weit, kühl. Selbst im Hochsommer klettert das Thermometer kaum über zehn Grad. Und nach Tagen in Jurten, mit Rauchgeruch in den Kleidern und Nächten, die länger waren als geplant, fühlt sich dieser Ort weniger nach Übernachtungsplatz an als nach Durchgang.
Also weiter.
Kurze Stopps, lange Distanzen
Ich halte nur für Fotos. Nicht, weil es besonders ist – sondern weil es sich richtig anfühlt.
Auf der anderen Seite des Sees geht es über den Teskey Torpok Pass, besser bekannt als 33 Parrots Pass. Der Name klingt verspielt, die Strasse ist es nicht. Kurven, Schlaglöcher, Konzentration. Irgendwann taucht die Hauptstrasse nach Naryn auf. Ein Moment der Erleichterung.
Nicht Euphorie. Eher Dankbarkeit.
Tash Rabat – ein Halt, kein Ziel
Naryn ist kein Ort, an dem man bleibt. Es ist ein Ort, von dem man weiterkommt.
Zum Beispiel nach Tash Rabat – einer alten Karawanserei, irgendwo zwischen historischer Unterkunft und steinernem Zeitzeugen der Seidenstrasse.
Die Fahrt dauert knapp 90 Minuten. Überraschend gute Strasse. Selbst der nicht asphaltierte Teil wirkt fast zu ordentlich für Kirgistan. Die Täler öffnen sich, Berge schliessen sich, alles wirkt klar und ruhig.
Vor Ort öffnet eine ältere Dame das Tor. Eintritt: 100 Som.
Drinnen ist es grösser, als es von aussen wirkt. Dunkel, kühl, funktional. Kein Museum, keine Erklärungstafeln, keine Inszenierung. Nach einer halben Stunde hat man alles gesehen – und doch genug.
Übernachten könnte man hier in Jurten. Wandern. Bleiben.
Ich fahre weiter.
Umwege gehören dazu
Nach einem kurzen Mittagshalt in Naryn geht es Richtung Osh.
Zumindest theoretisch.
Denn Strassen in Kirgistan haben ihren eigenen Willen. Google Maps funktioniert – meistens. Maps.me funktioniert besser. Aber auch diese Apps können nicht wissen, dass die Strasse nach Kasarman schlicht nicht passierbar ist.
Aus geplanten eineinhalb Stunden werden vier.
Keine grosse Aufregung. Nur Realität.
Abseits der Hauptachsen – Bischkek–Osh, Bischkek–Karakol – sind Strassen oft eher Vorschläge als Verbindungen. Da ich nicht nachts fahren will, ziehe ich durch. Kein Halt, kein Plan B.
Wild, enger, stiller
Auch am nächsten Tag spielt das Glück nicht mit.
Alle Schilder zeigen nach Osh. Die neue Strasse? Noch im Bau. Die Information darüber? Direkt an der Sperre. Also zurück. Wieder.
Die Route von Kasarman über Aral nach Urumbashi ist schmal, holprig, ausgesetzt. Abgründe, die keine Fehler verzeihen. Zum ersten Mal bin ich froh, kaum Gegenverkehr zu haben. Man fährt langsam, ruhig, aufmerksam. Gespräche gibt es keine. Nur Strecke.
Es ist anstrengend.
Und gleichzeitig genau der Grund, warum man hier ist.
Fazit
Dieser Abschnitt liefert keine Postkartenmotive.
Er liefert Raum. Umwege. Geduld. Und das Gefühl, unterwegs zu sein – nicht auf dem Weg zu etwas, sondern mittendrin.
Kirgistan ist hier nicht spektakulär.
Es ist ehrlich.
Reiseabschnitt Kalmak Ashuu → Naryn → Kasarman
Region: Zentrales & südliches Kirgistan
Charakter: Hochland, Pisten, wenig Infrastruktur
Fahrzeug: 4×4 empfohlen, hohe Bodenfreiheit
Beste Reisezeit: Juli – September
Besonderheiten: wetterabhängig, viele Umwege
Highlight: Tash Rabat, Teskey Torpok Pass
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