Von Oase zu Outback – und weiter ins Herz Australiens
Nach Tagen im smaragdgrünen Boodjamulla fiel der Abschied überraschend leicht.Nicht, weil es uns dort nicht gefallen hätte – sondern weil klar war: Das…

Nach Tagen im smaragdgrünen Boodjamulla fiel der Abschied überraschend leicht.
Nicht, weil es uns dort nicht gefallen hätte – sondern weil klar war: Das hier war eine Zwischenwelt. Wasser, Kajak, Felswände. Und nun wieder Staub.
Der Weg hinaus führte über Riversleigh. Fossilien im Boden, Geschichte unter den Füssen – und davor eine Flussdurchquerung, die Trim McMudflap mit ruhigem Plantschen erledigte. Kein Drama, kein Zögern. Danach ein Aussichtspunkt, rote Erde bis zum Horizont, ein paar Kühe, die aussahen, als wären sie Teil der Landschaftsgestaltung. Australien in seiner minimalistischsten Form.
Dann kam der Teil, den niemand filmt.
Kilometer um Kilometer ohne Abwechslung. Büsche, Staub, Himmel. Zeit, die sich streckt. Gedanken, die wandern. Genau so, wie man sich Outback vorstellt – und trotzdem jedes Mal neu erlebt.
Am Barkly Homestead überquerten wir die Grenze zum Northern Territory. Ein Roadhouse wie aus dem Lehrbuch: Tankstelle, Pub, Menschen auf Durchreise. Ein Ort, der nichts verspricht und genau das hält.
Südwärts erreichten wir Alice Springs.
Ein funktionaler Halt. Einkaufen, auftanken, sortieren. Nachts fiel die Temperatur auf zwei Grad – im Zelt fühlte sich das weniger nach Australien, mehr nach Arktis-Light an. Aber hier wärmt ohnehin nicht das Material, sondern die Aussicht: Kings Canyon, Uluru, Kata Tjuta. Alles plötzlich in Reichweite – zumindest in Outback-Massstäben.
Von Alice ging es direkt weiter zu den West MacDonnell Ranges, Ziel: Ellery Creek Big Hole.
Der Name klang nach Erfrischung. Die Realität nach Fliegen. Viele Fliegen. Sehr viele Fliegen. Essen wurde zur taktischen Übung, Gespräche zur Nebensache. Netz über den Kopf, rein ins Wasser, wieder raus. Der Ort selbst: wunderschön. Rotes Gestein, klares Wasser, absolute Stille – wenn man das Summen ignoriert.
Weiter Richtung Kings Canyon nahmen wir nicht die bequeme Route, sondern den Meereenie Loop. Offiziell genehmigungspflichtig, praktisch: „Einfach fahren.“
Die Strasse war eine endlose Wellblechpiste. Corrugations, die Trim in ein hüpfendes Känguru verwandelten. Kamele standen unbeeindruckt im Nichts, als gehörte ihnen alles. Vielleicht tut es das auch. Einer der schlimmsten Abschnitte auf unseren 36000 Kilometer.
Dann tauchte der Kings Canyon auf.
Gewaltig. Still. In der Abendsonne fast zu schön, um müde zu sein. Wir waren durchgeschüttelt, staubig – und zufrieden.
Am nächsten Morgen der Rim Walk. Sechs Kilometer, die mit einer Wand beginnen. „Heart Attack Hill“ macht keine falschen Versprechen. Danach öffnet sich eine Landschaft, die irgendwo zwischen Grand Canyon und australischer Mondoberfläche liegt. Sandstein, Spalten, Farben, die sich mit jeder Wolke verändern. Weniger Leute als erwartet. Mehr Ruhe als gehofft.
Zurück am Auto waren wir verschwitzt, leer – und ziemlich sicher, dass Trim es auf dem Parkplatz komfortabler gehabt hatte als wir.
Von dort ging es weiter. Schnurgerade Strassen, roter Staub links, roter Staub rechts. Und dann, langsam, fast beiläufig: Uluru.
Erst ein Punkt. Dann eine Form. Dann plötzlich da. Wie ein geparktes Raumschiff in der Landschaft.
Yulara empfing uns funktional. Resort, Camping, Supermarkt – alles da, nichts poetisch. Aber es erfüllt seinen Zweck. Trim bekam einen Parkplatz mit Aussicht, wir machten uns auf zu Kata Tjuta. Die Felsdome wirken weniger ikonisch als Uluru, aber wilder. Im Valley of the Winds blies der Wind kompromisslos. Danach Sonnenuntergang, dann zurück ins Camp.
Am nächsten Tag: Uluru im Morgenlicht und der Base Walk.
10,6 Kilometer um einen Monolithen, der sich ständig verändert. Glatt, rau, dunkel, leuchtend. Wintersonne, rote Töne in allen Varianten. Kein Moment fühlte sich gleich an wie der davor.
Den Abschluss machte Wintjiri Wiru.
Eine Drohnenshow, die Geschichten der Anangu erzählt – ruhig, würdevoll, überraschend berührend. Essen, Getränke, Lichter am Himmel. Ein moderner Rahmen für etwas sehr Altes.
Abends sassen wir im Camp. Kaltes Bier, roter Staub auf den Schuhen.
Das Gefühl, gerade eines dieser Kapitel erlebt zu haben, die man nicht abhakt – sondern abspeichert.
Nicht als Highlight. Sondern als Teil von etwas Grösserem.
Queensland → Northern Territory → Red Centre – kurz eingeordnet
Abschnitt: Oase → Weite → Ikonen
Tempo: langsam, fordernd, belohnend
Kontraste: Wasser ↔ Staub ↔ Fels
Stimmung: müde, staunend, geerdet
Bleibt: Dimensionen, die man nicht vergisst
Steckbrief
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- August 2025