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Beobachtungen

Quokkas und Gegenverkehr

Rottnest fühlt sich an wie ein Ort, der gleichzeitig zu klein und zu berühmt ist.

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 2. Oktober 2025 Aktualisiert am 28. Juli 2026 4 Min. Lesezeit

Zwei Quokkas in freier Natur, unterwegs im Gegenverkehr.

Rottnest fühlt sich an wie ein Ort, der gleichzeitig zu klein und zu berühmt ist.

Du steigst von der Fähre, und noch bevor du irgendetwas verstanden hast, ist da schon dieses Grundrauschen aus Stimmen, Klickgeräuschen und dem nervösen Klacken von Veloständern. Rottnest wird nicht betreten, es wird entladen. Fähren spucken Menschen aus, als wäre die Insel ein Tagesprogramm, das man schnell abarbeiten muss. Und irgendwo dazwischen: Quokkas. Als hätten sie sich damit arrangiert, dass sie hier das Maskottchen spielen.

Sie sind tatsächlich überall. Nicht in der Art von „Zoo-Überall“, sondern eher wie Nachbarn, die plötzlich in deinem Garten stehen und kurz schauen, ob du etwas Interessantes machst. Dieses Dauerlächeln ist wahrscheinlich reine Anatomie, aber es funktioniert leider trotzdem. Man schaut ihnen zu, wie sie herumhüpfen, grasen, sich gegenseitig ignorieren – und manchmal wirken sie, als würden sie ganz bewusst dort sitzen bleiben, wo die Kamera am besten passt. Quokkas haben etwas Unfair-Überzeugendes: Du kannst nüchtern sein wollen, aber nach fünf Minuten bist du es nicht mehr.

Wir sind die Insel mit dem Velo umrundet. Das klingt nach Ferienidylle und ist es auch – auf eine leicht sadistische Weise. Keine Autos (fast), dafür Wege, die sich an der Küste entlangschieben, mit Buchten, die so türkis sind, dass man kurz denkt, irgendwer habe den das Blau zu hoch gedreht. Jede Kurve liefert ein neues Bild. Und genau das ist der Trick: Rottnest überfüttert dich mit Postkartenmotiven, bis du nicht mehr weisst, ob du noch staunst oder nur noch reagierst.

Zwischendurch kommt der Wunsch nach einer Abkühlungspause, nicht nur wegen der Hitze, sondern auch wegen der Pedaleure. Auf Rottnest ist das Velo nicht Fortbewegungsmittel, es ist Verkehrssystem. Überall stehen sie. Überall fahren sie. Überall werden sie irgendwo hingeworfen, wo sie gerade im Weg sind, und niemand wirkt überrascht. Man wird automatisch zynischer, obwohl man eigentlich im Paradies sein sollte.

Und dann ist da die andere Seite dieser Insel: die Menschenmassen.

Selfiesticks ragen in den Himmel, Gruppen schieben sich von Bucht zu Bucht, und die stillen Momente fühlen sich manchmal an wie zufällige Lücken im Programm. Rottnest kippt dadurch gelegentlich in etwas Freizeitparkiges. Nicht, weil es gebaut wäre wie ein Park, sondern weil es benutzt wird wie einer. Du merkst, dass Schönheit auch ein Problem sein kann: Wenn ein Ort zu gut funktioniert, kommen alle. Und dann muss man das Schöne zwischen den Strömen hervorholen wie etwas, das sonst verloren geht.

Trotzdem: Es gibt sie, diese Sekunden, in denen Rottnest wieder Insel wird. Wenn du ein Stück weiter fährst als die meisten. Wenn der Wind kurz lauter ist als die Stimmen. Wenn du in einer Bucht stehst und das Wasser ruhig ist, nicht weil es niemand kennt, sondern weil gerade niemand dort ist. Und wenn ein Quokka irgendwo im Schatten sitzt und völlig unbeeindruckt davon ist, dass wir Menschen uns so wahnsinnig wichtig nehmen.

Rottnest ist grandios. Die Natur, die Tiere, diese Farbe des Wassers. Und gleichzeitig spürst du, dass es ein Ort ist, der ein bisschen zu sehr geliebt wird.

Vielleicht ist das die einzige echte Aufgabe dort: Nicht alles zu wollen. Nicht überall hin. Nicht jedes Foto. Einfach fahren, schauen, absteigen, still sein. Und die Magie dort einsammeln, wo sie noch nicht zertreten ist.

 

 

Rottnest Island

Ort: Rottnest Island (Westaustralien, Tagesausflug ab Perth/Fremantle)
Erlebnis: Inselumrundung mit dem Velo, Quokkas, Buchten mit türkisblauem Wasser
Kontrast: Natur und Tiere fantastisch – Menschenmassen und Veloverkehr teils mühsam
Tipp ohne Tipps: weiter rausfahren als die meisten, Pausen dort machen, wo es kurz leer ist
Was bleibt: ein Ort, der wunderschön ist – und genau deshalb anstrengend werden kann

 

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