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Unterwegs in Etappen

Pisa – mehr als nur der Schiefe Turm?

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 9. März 2023 Aktualisiert am 28. Januar 2026 4 Min. Lesezeit

Pisa, berühmter Schiefer Turm, mit Blick auf die Stadt und die Sonne im Hintergrund.
Reiseziel Italien
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Pisa ist eine Stadt, die man fast immer mit einer einzigen Erwartung betritt. Und diese Erwartung steht schon da, bevor man überhaupt richtig angekommen ist: der Turm.

Man läuft über die Strassen, vorbei an ganz normalem Alltag, und dann öffnet sich plötzlich diese Fläche – die Piazza dei Miracoli – und alles kippt ins Unwahrscheinliche. Der Rasen wirkt zu grün, die Steine zu weiss, die Architektur zu sauber komponiert. Es hat etwas von einem Set, das für ein grosses Bild gebaut wurde. Und mittendrin: dieser Turm, der so schief ist, dass man kurz prüft, ob das Gehirn einen veräppelt.

Ja, er ist wirklich schief. Und ja, fast alle machen dieses Foto, in dem sie so tun, als würden sie ihn halten. Ich habe erst darüber gelächelt und dann gemerkt, dass ich selber länger stehen blieb als geplant. Nicht weil ich ein besonders grosser Turmfan wäre, sondern weil Pisa einen dazu zwingt, bei der eigenen Peinlichkeit nachsichtiger zu werden. Man sieht Menschen, die Spass haben, obwohl es ein Klischee ist. Und das ist irgendwie entwaffnend.

Der Turm ist aber nur ein Teil dieser Piazza. Der Dom daneben, das Baptisterium, der Camposanto – zusammen wirkt es wie ein architektonisches Ensemble, das nicht überreden muss. Es steht einfach da und ist gut. Und wenn man Glück hat, erwischt man einen Moment, in dem die Reisegruppen noch nicht alles in Bewegung gesetzt haben. Dann spürt man kurz, warum dieser Ort mehr ist als ein Fotopunkt: weil Schönheit auch dann funktioniert, wenn niemand sie kommentiert.

Der Rest von Pisa ist… leiser. Und das ist nicht zwingend ein Vorwurf. Es ist eher diese Art Stadt, die man in ein paar Stunden gut lesen kann. Hübsche Strassen, ein paar Plätze, Arkaden, Espresso, der schnell wieder in den Alltag führt. Borgo Stretto mit seinen Bögen und Schaufenstern hat etwas angenehm Unaufgeregtes. An der Piazza dei Cavalieri steht man vor Fassaden, die Geschichte ausstrahlen, aber nicht nach Aufmerksamkeit schreien. Und am Arno entlang, bei Santa Maria della Spina, gibt es diese kleine gotische Kirche, die aussieht, als hätte jemand sie aus einem feineren Material gebaut als ihre Umgebung.

Ich fand Pisa am besten, wenn ich aufgehört habe, sie mit Florenz oder Siena zu vergleichen. Sobald man aufhört, nach «mehr» zu suchen, wird das «weniger» erträglich. Pisa ist nicht die Stadt, die dich ständig überwältigt. Sie ist eher ein Zwischenraum. Ein Ort, den man mitnimmt, weil er auf dem Weg liegt – und weil er dieses eine Bild bietet, das wirklich seltsam bleibt: ein Turm, der seit Jahrhunderten schief steht und trotzdem nicht fällt.

Was bleibt abseits des Turms?

Hier wird es nüchterner. Pisa hat angenehme Ecken, aber wenig Eigengewicht im Vergleich zu Florenz oder Siena.

  • Borgo Stretto – eine arkadengesäumte Strasse mit Cafés und kleinen Läden. Gut für einen Espresso, nicht mehr.
  • Piazza dei Cavalieri – historisch bedeutend, ruhig, kurz interessant.
  • Arno-Ufer & Santa Maria della Spina – ein kurzer Spaziergang entlang des Flusses, mit einer kleinen gotischen Kirche als Blickfang.

Pisa ist kein Ort zum Verlieren. Man bewegt sich durch, bleibt stehen, geht weiter.


Essen & Trinken: solide, nicht herausragend

Die Gastronomie ist besser als ihr Ruf, aber man muss gezielt auswählen.

  • La Grotta – rustikale toskanische Küche, verlässliche Pasta.
  • Osteria dei Cavalieri – traditioneller, schwerer, gut für Wildgerichte.
  • Gelateria De’ Coltelli – eines der besseren Gelati der Region.

Für einen Aperitivo lohnt sich der Bereich entlang des Lungarno. Kein Geheimtipp, aber funktionierend.


Lohnt sich Pisa?

Ja – für einen Tag. Oder ein paar Stunden. Der Turm ist ikonisch, das Umfeld sehenswert, die Stadt selbst bleibt blass. Pisa hinterlässt selten einen bleibenden Eindruck, erfüllt aber genau deshalb eine klare Rolle: kurz ansehen, einordnen, weiterziehen.

Fazit: Pisa ist kein Ziel, sondern ein Zwischenstopp. Als solcher funktioniert die Stadt gut. Mehr sollte man nicht erwarten – und genau dann wird man auch nicht enttäuscht.

Pisa

Ort: Pisa, Toskana (Italien)
Tempo: ideal für ein paar Stunden bis einen Tag
Was bleibt: Piazza dei Miracoli als konzentrierte Wucht – der Rest der Stadt als ruhiger Übergang
Gefühl: weniger «bleibender Eindruck», mehr «kurzer, guter Schnitt» auf einer Toskanareise

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