Sossusvlei – lange Fahrt, frühe Dünen und Sand überall
Von Swakopmund nach Sossusvlei war es erst einmal vor allem eines: lang.

Von Swakopmund nach Sossusvlei war es erst einmal vor allem eines: lang. Sehr lang. Namibia zeigte sich wieder in seiner vollen Weite, mit endlosen Schotterstrassen, Staubwolken, trockenen Ebenen und Landschaften, bei denen man irgendwann nicht mehr sicher ist, ob man noch fährt oder einfach langsam durch ein riesiges Naturbild scrollt.
Nach den entspannten Tagen an der Küste war das wieder ein kleiner Realitätscheck. Kein Cappuccino um die Ecke, keine Bäckerei, keine Robbenparfum-Wolke mehr in der Nase. Dafür Staub, Hitze, Wellblechpiste und sehr viel Nichts. Schönes Nichts, aber trotzdem: Nichts.
Wir übernachteten im Camp direkt bei der Einfahrt zum Sossusvlei. Das war praktisch, weil man am nächsten Morgen nicht noch ewig anreisen musste, sondern früh loskonnte. Und früh heisst in diesem Fall: sehr früh. Noch dunkel, noch nicht wirklich bereit für irgendetwas ausser vielleicht fürs Umdrehen im Schlafsack.
Dabei hatten wir mit der Nacht und dem Morgen Glück. Es war nicht so kalt, wie es hier offenbar gut und gerne sein kann. Man merkt aber schon: Das hätte auch anders laufen können. Sossusvlei am frühen Morgen ist sicher kein Ort, an dem man sich leicht bekleidet aus dem Zelt schält und denkt: Ach, wie mild und gemütlich.
Aber Sossusvlei schaut man sich nun mal nicht nach dem Frühstückskaffee um halb elf an. Also raus aus dem Zelt, rein in den frühen Morgen und los Richtung Dünen. Schon die Fahrt im ersten Licht war beeindruckend. Links und rechts tauchten langsam diese riesigen roten Sandberge aus der Dunkelheit auf, erst nur als Schatten, dann immer klarer.
Zum Sonnenaufgang auf einer Düne zu stehen, klingt romantisch. Ist es auch. Aber es ist auch anstrengend. Sand gibt bei jedem Schritt nach, der Puls meldet sich freundlich zurück und oben weiss man dann sehr schnell, warum sich das trotzdem lohnt. Das Licht verändert sich fast minütlich. Die Dünen wechseln ständig ihre Farbe, Schatten wandern über den Sand und plötzlich sieht alles wieder anders aus als noch vor fünf Minuten. Wahnsinnig schön.
Sossusvlei selbst war dann noch einmal eine andere Welt. Roter Sand, weisser Lehmboden, abgestorbene Bäume, blauer Himmel – alles wirkte fast zu perfekt, um echt zu sein. Man läuft herum, macht viel zu viele Fotos und weiss trotzdem, dass keines davon so richtig zeigt, wie gross, still und surreal diese Landschaft eigentlich ist.
Natürlich hatten wir danach Sand überall. In den Schuhen, in den Taschen und wahrscheinlich an Orten, an denen Sand gar keine Aufenthaltsbewilligung hat. Aber nach dieser langen Fahrt, der Nacht am Eingang und dem frühen Start war Sossusvlei genau das, was man sich von Namibia erhofft: anstrengend, staubig, wunderschön und ein bisschen absurd.
Steckbrief
- Bereist
- Mai 2026