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Orientierung

Akodessewa Fetish Market – zwischen Vodoo, Faszination, Irritation und Respekt

Als ich durch den Markt schlenderte, konnte ich nicht umhin, von der ungewöhnlichen Auswahl an Gegenständen gleichzeitig fasziniert und angewiedert zu…

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 8. Juli 2023 Aktualisiert am 20. Juli 2026 3 Min. Lesezeit

Togo | Akodessewa Fetish Market – zwischen Vodoo, Faszination, Irritation und Respekt | Beitragsbild
Reiseziel Togo
Vor Ort Besucht im Juli 2023

Als ich über den Akodessewa Fetish Market in Lomé schlenderte, war ich gleichzeitig fasziniert und etwas abgestossen. Auf den Ständen lagen Tierschädel, Knochen, Federn, getrocknete Tierkörper, Kräuter, Wurzeln und andere Dinge, bei denen man als Aussenstehender erst einmal nicht genau weiss, ob man neugierig schauen oder lieber etwas schneller weitergehen soll.

Vieles davon wirkt auf den ersten Blick verstörend. Tierische Überreste, fein säuberlich aufgereiht, angeblich mit spiritueller Kraft verbunden und für Rituale, Schutz oder Heilung verwendet. Federn flatterten im warmen Wind, Kräuter und Pflanzen lagen in Bündeln bereit, und überall schien eine Bedeutung dahinterzustecken, die sich einem nicht sofort erschliesst.

Zwischen den Ständen suchten Einheimische nach bestimmten Zutaten, Talismanen oder Mitteln für persönliche Anliegen. Für sie ist das kein kurioser Markt für Touristen, sondern Teil eines Glaubenssystems, das tief in der Kultur verwurzelt ist. Genau das macht den Besuch spannend, aber auch schwierig. Man schaut auf etwas, das man nicht wirklich versteht, und muss aufpassen, es nicht vorschnell als seltsam oder exotisch abzutun.

Je länger ich über den Markt ging, desto stärker wurde dieses Gefühl: Hier geht es nicht einfach um Schädel, Knochen und Kräuter. Es geht um Glauben, Schutz, Heilung, Angst, Hoffnung und den Versuch, mit Dingen umzugehen, die sich nicht immer erklären lassen. Voodoo ist hier kein Gruselfilm-Klischee, sondern gelebte Tradition. Auch wenn man persönlich keinen Zugang dazu findet.

Priester und Priesterinnen gaben Einblicke in Rituale und erklärten einzelne Bedeutungen. Trotzdem blieb vieles für mich fremd. Vielleicht muss es das auch. Nicht alles auf Reisen ist dazu da, verstanden oder bewertet zu werden. Manchmal reicht es, hinzuschauen, zuzuhören und zu akzeptieren, dass andere Menschen andere Antworten auf die gleichen grossen Fragen haben.

Als ich den Markt verliess, blieb vor allem ein gemischtes Gefühl zurück. Faszination, Irritation und Respekt. Der Akodessewa Fetish Market ist sicher kein schöner Ort im klassischen Sinn. Aber er ist eindrücklich. Und er zeigt eine Seite von Lomé, die weit weg ist von Postkarten, Stränden und einfachen Reisegeschichten.

Gerade solche Orte erinnern einen daran, dass Kultur nicht immer bequem, hübsch oder leicht verständlich sein muss. Manchmal ist sie fremd, roh, widersprüchlich und genau deshalb wichtig.

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Bereist
Juli 2023
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