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Busia-Grenze – 22 Stunden Geduldstraining

Zuerst einmal muss ich aber auch dort ankommen, aber ach das TiA (this is Africa, das ist Afrika), oder die berühmte "Afrika Time" Schlagen heute mit…

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 31. Oktober 2023 Aktualisiert am 21. Juli 2026 9 Min. Lesezeit

Uganda | Busia-Grenze – 22 Stunden Geduldstraining | Beitragsbild
Reiseziel Uganda
Vor Ort Besucht im Oktober 2023

Zuerst einmal muss ich aber auch dort ankommen, aber ach das TiA (this is Africa, das ist Afrika), oder die berühmte «Afrika Time» Schlagen heute mit allem was sie haben zu Heute bedeutet es, dass der Bus nicht pünktlich um 8 Uhr abends abfährt, sondern erst um 10 Uhr. Nun, dieses Spiel kenne ich bereits und meine Geduld wird ein weiteres mal auf die Probe gestellt. Nur das geschäftige Treiben am Busbahnhof um mich herum ist heute irgendwie nicht gerade mein Fall. Es ist deutlich zu spüren, wie die Stimmung unter den Männern um mich herum immer angespannter wird. Das liegt wohl grösstenteils an den Substanzen, die sie zu sich nehmen. Diese Momente versuche ich eigentlich zu vermeiden, denn man weiss nie, was passieren könnte. Doch hier habe ich keine Wahl. Dankbar bin ich zumindest, als ich endlich im «Luxuscar», wie sie diese Klapperkiste hier nennen, sitze. Die Fahrt beginnt. Ah, nach gerade mal 200 Metern fängt der Bus schon an, seltsame Geräusche von sich zu geben. In den ersten 2 Stunden schaffen wir beeindruckende 15 Kilometer. Dann stehen wir halt einfach mal 1 Stunde herum. Doch dann scheint sich das Blatt zu wenden, und die Klapperkiste schafft es tatsächlich, die 400 Kilometer bis zur Grenze in 12 Stunden zurückzulegen. Ein Teilerfolg.

LKWs mit erschöpften Karosserien, beladen bis zum Rand mit Waren, schleichen neben Minibussen, die vor Passagieren nur so überlaufen. Es ist eine Spektakel organisierter Chaos, als ob die Verkehrsregeln Urlaub gemacht hätten und einen schelmischen Freiraum hinterlassen hätten. So begegnet mir die Grenze heute.

Beim Durchstreifen der Umgebung der Grenze wird man von den blühenden Märkten magisch angezogen, die in diesem pulsierenden Ökosystem gedeihen. Einheimische Händler preisen ihre Waren eifrig an, ihre Güter wie Trophäen präsentiert und verlangen Beachtung. Der lebhafte Teppich aus Stoffen, Gewürzen und Kunsthandwerk erzählt eine Geschichte des Handels und des kulturellen Austauschs, bei dem sich Waren aus Kenia und Uganda wie die Fäden eines gut gewebten Teppichs miteinander verweben.

Ah, und natürlich die Grenzformalitäten – ein Tanz aus Papierkram, Passstempeln und Einwanderungsverfahren, der selbst die geduldigste Seele auf die Probe stellen kann. Touristen warten geduldig, ihre Vorfreude liegt spürbar in der Luft, Einheimische haben diese Geduld überhaupt nicht. Vordrängeln gehört zum Kulturgut Afrikas, während Beamte Dokumente akribisch prüfen und Taschen auf Anzeichen von Unheil kontrollieren. Es ist ein Prozess, der Fleiss und Durchhaltevermögen erfordert – denn die Zeit dehnt sich in solchen bürokratischen Zwischenspielen wie ein Gummiband. Aber dieser Prozess ist relativ schnell erledigt. Es könnte also weiter gehen. Wie das könnte schon andeutet, kommt es anders als man denkt und zwar ziemlich anderst.

Als erstes ist der Bus den ich 250 Meter vorher verlassen habe plötzlich nicht mehr da, keine Spur. Eigentlich gar kein so grosses Problem aber meine bzw. Die Taschen der Reisenden sind da drin. Ohne die werde ich nicht weiter können. Es folgen 4 Stunden ohne Informationen oder einem Zeichen des Busses. Mit Tasche wäre ich schon lange anderst unterwegs. Ein Zustand der für uns aus dem Westen völlig unverständlich ist.
Nach 4 Stunden erscheint dann der Bus, nur um festzustellen das meine Tasche fehlt. Ich werde darauf also zum Zoll gebeten. Wieder mal ein Versuch ein wenig Geld aus dem «Muzungu» (weisser Mensch) heraus zu bekommen. Aber kein Problem dieses Spiel spiele ich nun aäebenfalls mit und zwar als Profi. Natürlich können wir durch mein ganzes Gepäck gehen. Ich zeige ihm also mit voller Begeisterung alle meine dreckigen Kleider und alle meine technischen Errungenschaften. Aber nach 5 Minuten gibt er dann frustriert auf. 1:0 für mich.

Die Busia-Grenze, wo Kenia und Uganda aufeinandertreffen, ist kein Ort für empfindliche Nerven. Es ist laut, voll, staubig, geschäftig und irgendwie gleichzeitig komplett chaotisch und erstaunlich funktionierend. Lastwagen, Minibusse, Motorräder, Händler, Reisende, Gepäck, Hupen, Abgase, Strassenessen – alles bewegt sich, alles ruft, alles will irgendwohin.

Zuerst einmal musste ich aber überhaupt dort ankommen. Und natürlich schlug heute wieder die gute alte „Africa Time“ zu. Der Bus sollte um 20 Uhr losfahren. Tatsächlich ging es dann um 22 Uhr los. Dieses Spiel kenne ich inzwischen, aber meine Geduld fand es trotzdem nur mässig originell.

Der Busbahnhof war an diesem Abend nicht gerade mein Lieblingsort. Das geschäftige Treiben ist an solchen Orten normalerweise spannend, manchmal sogar unterhaltsam. Heute fühlte es sich anders an. Unter einigen Männern um mich herum wurde die Stimmung zunehmend angespannter, wohl auch wegen der Substanzen, die da konsumiert wurden. Genau solche Situationen versuche ich eigentlich zu vermeiden. Man weiss nie, wann die Stimmung kippt. Nur hatte ich diesmal keine grosse Wahl.

Umso dankbarer war ich, als ich endlich im „Luxuscar“ sass. So nennen sie hier diese Klapperkisten offenbar mit erstaunlichem Selbstvertrauen. Nach ungefähr 200 Metern begann der Bus dann auch schon, seltsame Geräusche von sich zu geben. Ein beruhigender Start. In den ersten zwei Stunden schafften wir beeindruckende 15 Kilometer. Danach standen wir einfach einmal eine Stunde herum. Warum? Weiss niemand. Muss man vielleicht auch nicht immer wissen.

Dann aber fing sich das Gefährt tatsächlich. Irgendwie brachte uns die Klapperkiste die rund 400 Kilometer bis zur Grenze. Nach zwölf Stunden. Ein Teilerfolg. Nicht schön, nicht schnell, aber immerhin: Grenze erreicht.

Dort wartete dann das nächste Kapitel. Busia ist ein Spektakel aus organisiertem Chaos. Lastwagen mit müden Karosserien stehen beladen bis obenhin, Minibusse quellen vor Menschen fast über, Motorräder schlängeln sich überall durch, und Verkehrsregeln wirken eher wie eine vage Empfehlung aus einer anderen Epoche.

Rund um die Grenze pulsiert alles. Händler verkaufen Essen, Stoffe, Kleinkram, Getränke und alles, was man irgendwie tragen, schieben oder auf ein Motorrad binden kann. Kenia und Uganda mischen sich hier nicht leise, sondern mit voller Lautstärke.

Dann die Grenzformalitäten. Papierkram, Passkontrolle, Stempel, Taschenkontrolle. Ein kleiner bürokratischer Tanz, bei dem Touristen geduldig warten und Einheimische diese Geduld eher als westliches Missverständnis betrachten. Vordrängeln gehört hier offenbar zum System. Aber erstaunlicherweise lief der offizielle Teil recht schnell. Ich war durch. Es hätte also weitergehen können.

Hätte.

Denn der Bus, den ich rund 250 Meter vorher verlassen hatte, war plötzlich weg. Einfach weg. Kein Bus, keine Info, keine Ahnung. Das wäre vielleicht halb so schlimm gewesen, wenn nicht mein Gepäck noch darin gewesen wäre. Ohne Tasche weiterreisen ist eher unpraktisch. Also wartete ich. Und wartete. Vier Stunden lang. Ohne Information, ohne Zeichen, ohne irgendetwas. Mit Gepäck wäre ich längst anders weitergereist. Ohne Gepäck steht man einfach herum und versucht, nicht komplett genervt auszusehen.

Nach vier Stunden tauchte der Bus wieder auf. Immerhin. Nur fehlte jetzt meine Tasche. Also wurde ich zum Zoll gebeten. Der nächste kleine Versuch, aus dem „Mzungu“ vielleicht noch ein bisschen Geld herauszuholen. Aber dieses Spiel kannte ich inzwischen auch. Und heute spielte ich es professionell mit.

Natürlich dürft ihr mein ganzes Gepäck sehen. Sehr gern sogar. Ich zeigte also mit grosser Begeisterung meine dreckigen Kleider, Kabel, Ladegeräte, Technik und den ganzen sonstigen Reisehaushalt. Nach fünf Minuten hatte der Beamte offenbar genug von meiner Wäsche und gab frustriert auf. 1:0 für mich.

Zurück beim Bus sah ich dann Polizisten, die den Wagen kontrollierten. Kurz darauf kam der eigentliche Höhepunkt: Unser Fahrer wurde verhaftet. Wahrscheinlich war irgendetwas im oder am Bus gelandet, das dort nicht hätte sein sollen. Genau wusste das natürlich niemand. Der arme Kerl haftete jetzt erst einmal dafür. Eine Weiterfahrt war damit ausgeschlossen.

Ich stand also wenig später mit meinem Gepäck beim Mototaxistand. Klar war nur: Ich muss hier weg. Wenn ich auf diesen Bus warte, stehe ich wahrscheinlich morgen noch an der Grenze und entwickle langsam Wurzeln.

Also ab zum Busbahnhof. Dort standen Minibusse bereit. Die fahren allerdings erst los, wenn sie voll sind. Und mit voll ist nicht europäisch-voll gemeint. Sondern wirklich voll. Sehr voll. Eigentlich schon zu voll, aber dann passt doch noch jemand rein. Also nochmals eine Stunde warten.

Als es endlich losging, stoppte der Minibus gefühlt alle 100 Meter, um jemanden aus- oder einzuladen. Irgendwann reicht es dann langsam. Aber natürlich war auch das noch nicht das Ende.

45 Kilometer vor Jinja kam der Sturm. Ein Regenschauer apokalyptischen Ausmasses setzte ein. Die Strasse verwandelte sich in einen nassen Geduldstest, und wir krochen nur noch mit etwa 20 km/h vorwärts. Perfektes Finale für einen Tag, der offenbar alles geben wollte.

Aber auch solche Tage enden irgendwann. Nach 22 Stunden erreichte ich endlich mein Ziel: Jinja in Uganda.

Und trotz allem: Schon nach wenigen Stunden hatte Uganda etwas. Dieses satte Grün, die Landschaft, die Menschen, die Energie. Nach diesem Grenzdrama hätte ich eigentlich erst einmal beleidigt sein können. War ich auch ein bisschen. Aber Uganda machte es mir schwer, lange genervt zu bleiben.

Oooh boy. Schon nach kurzer Zeit wirkt Uganda wie ein ernsthafter Kandidat für Afrikas schönstes Land.

Aber alles hat irgendwann mal ein Ende. Und nach 22 Stunden erreiche ich das heutige Ziel.

Jinja in Uganda

Inmitten des Chaos und der Herausforderungen gibt es an der Busia-Grenze einen unbestreitbaren Charme. Wenn man sich mit Einheimischen, Mitreisenden und Strassenverkäufern einlässt, gleicht es einem Eintauchen in eine laute Symphonie aus Geschichten und Geschmacksrichtungen. Ihre Herzlichkeit und Widerstandsfähigkeit leuchten durch und erinnern uns daran, warum wir diese Entdeckungsreisen so schätzen.

Und oooh boy, Uganda ist schon nach wenigen Stunden ein starker Konkurrent für Afrika schönstes Land

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