Cotonou – Zwischen Zemidjans, Märkten und Atlantik
Cotonou überrascht mit chaotischer Energie und Kontrasten zwischen Tradition und Moderne, die Strände blieben ungenutzt.

Cotonou ist nicht die offizielle Hauptstadt Benins – diesen Titel trägt Porto-Novo. Im Alltag fühlt sich Cotonou trotzdem wie das eigentliche Zentrum des Landes an. Hier sitzen die Regierung, wichtige Unternehmen und der grösste Hafen. Vor allem aber leben und arbeiten hier deutlich mehr Menschen als irgendwo sonst in Benin.
Nach meiner Ankunft fand ich mich sofort mitten im Verkehr wieder. Autos, Minibusse und unzählige Zemidjans, die Motorradtaxis der Stadt, bewegten sich durch die Strassen. Dazu Hupen, Motorenlärm und Abgase. Wer hier auf einen klar geregelten Verkehrsfluss wartet, kann vermutlich gleich ein Hotelzimmer buchen.
Cotonou wirkt geschäftig, laut und stellenweise ziemlich chaotisch. Entlang der Strassen stehen kleine Verkaufsstände, Werkstätten und Läden. Frauen in farbenfrohen Stoffen tragen Waren auf dem Kopf, während daneben Smartphones verkauft, Motorräder repariert und Lebensmittel angeboten werden.
Die Stadt erzählt ihre Geschichte nicht über eine perfekt erhaltene Altstadt. Vielmehr treffen ältere Gebäude, moderne Geschäftshäuser, breite Strassen und provisorische Verkaufsstände direkt aufeinander. Manchmal wirkt es, als hätte jede Generation einfach ihre eigene Schicht hinzugefügt, ohne vorher zu fragen, ob sie zum Rest passt.
Besonders sichtbar wird diese Energie auf den Märkten. Der Marché Dantokpa zählt zu den bekanntesten Handelsplätzen der Stadt. Hier gibt es Stoffe, Gewürze, Lebensmittel, Haushaltswaren und vermutlich noch einige Dinge, von denen man bis zu diesem Moment nicht wusste, dass man sie dringend braucht.
Ruhiger wird es an der Küste. Wobei «ruhig» relativ ist: Der Atlantik trifft mit kräftigen Wellen auf den Strand und macht ziemlich deutlich, dass er nicht primär für entspanntes Planschen angelegt wurde. Die langen Sandstrände sind eindrücklich, aber wir beliessen es beim Anschauen. Man muss nicht in jedes Gewässer steigen, nur weil es fotogen aussieht.
Gerade dieser Kontrast macht Cotonou interessant. Auf der einen Seite der Verkehr, die Märkte und das ständige Handeln. Auf der anderen Seite der breite Strand und der Atlantik, der unbeirrt gegen die Küste schlägt.
Cotonou ist kein herausgeputztes Küstenparadies und keine Stadt, die sich mühelos erschliesst. Sie ist laut, heiss, widersprüchlich und manchmal anstrengend. Aber sie wirkt lebendig und unverstellt.
Vielleicht bleibt sie gerade deshalb im Gedächtnis: nicht weil alles schön ist, sondern weil fast überall etwas passiert.
Steckbrief
- Ort
- Cotonou, Benin
- Erlebnis
- Buntes Chaos einer westafrikanischen Küstenstadt mit 1,2 Millionen Einwohnern
- Kontrast
- Wolkenkratzer neben verfallenen Läden, Frauen in Wachsstoff neben Smartphone-Jugend
- Tipp
- Boulevard de la Marina für den ersten Eindruck der städtischen Kontraste
- Was bleibt
- Eine Stadt, die nach ihrer eigenen Melodie tanzt
- Bereist
- Juli 2023