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Unterwegs in Etappen

Gibb River Road – Staub, Schluchten, Crocs und Scones

Warum diese Strasse mehr mit Haltung als mit Highlights zu tun hat Die Gibb River Road ist keine Strasse, die man einfach fährt.

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 9. September 2025 Aktualisiert am 28. Juli 2026 4 Min. Lesezeit

Auto auf afrikanischer Straße mit Reiseausrüstung und Dachbox.
Reiseziel Australien
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Warum diese Strasse mehr mit Haltung als mit Highlights zu tun hat

Die Gibb River Road ist keine Strasse, die man einfach fährt. Sie ist eher eine Prüfung. Für Nerven, Material und die eigene Einschätzung von Komfort. Sechshundertsechzig Kilometer Staub, Wellblech, Flussdurchfahrten – und das leise Gefühl, dass Trim McMudflap heute vielleicht sein erstes graues Haar bekommt.

Schon am Morgen war klar, wie der Tag laufen würde. Neun Uhr, dreissig Grad. Also taten wir das Einzige, was halbwegs vernünftig schien: im Morgengrauen aufstehen, Wanderungen vor sechs Uhr starten und hoffen, der Hitze ein paar Stunden abzutrotzen. Später gehört die Gibb ohnehin nur noch der Sonne und den Fliegen.


Schluchten, Staub und ein funktionierender Rhythmus

Unser Einstieg war die Emma Gorge. Ein Geröllweg, Schluchten, dann plötzlich diese Felswände – wie eine Naturkathedrale, die sich ohne Vorwarnung öffnet. Der Wasserfall sieht einladend aus, bis man im Becken landet. Eiskalt. So kalt, dass der erste Sprung kurz alle inneren Organe sortiert. Danach fühlt man sich sehr lebendig.

Der Pentecost River folgte. In der Trockenzeit weniger dramatisch, als die Bilder vermuten lassen. Trotzdem bleibt dieses leise Hochgefühl, wenn man mit dem eigenen Auto durch einen Fluss rollt und auf der anderen Seite wieder festen Boden unter den Rädern hat. Kein grosses Drama, aber ehrlicher Stolz.

Ab hier zeigte die Gibb ihr anderes Gesicht. Endlose Corrugations, Staub wie aus einer Nebelmaschine, Rauchspuren vergangener Buschbrände. Schwarzer Boden, Aschegeruch. Dann ein verlassenes Auto am Strassenrand. Keine Menschen, kein Hinweis. Einfach stehen gelassen. Ein kurzer Moment, der daran erinnert, dass Vorbereitung hier keine Option, sondern Voraussetzung ist.

Komfort, Kimberley-Style

Die Ellenbrae Station kam genau richtig. Scones im Outback – immer noch schwer zu erklären, aber sehr real. Dazu Camping mit Badewannen unter freiem Himmel, Palmen, Vogelstimmen. Kein Luxus im klassischen Sinn, aber genau die Art von Komfort, die auf der Gibb Sinn ergibt.

Mit der Manning Gorge wurde es wieder versöhnlicher. Erst ein kleines Boot über den Fluss, dann ein sonniger Marsch. Am Ende ein Wasserfall, der in ein grosses Becken kracht. Wir schwammen, sassen auf warmen Felsen und wussten: Für solche Orte nimmt man Schlaglöcher in Kauf.

Die Bell Gorge wirkte fast zu perfekt. Rotes Gestein, gestufte Wasserfälle, klares Wasser. Einer dieser Orte, die aussehen, als hätte jemand eine Postkarte nachgebaut. Staub und Hitze waren für einen Moment vergessen – bis wir zurück beim Auto standen.


🟦 Was wir unterschätzt haben

  • wie zermürbend Wellblech auf Dauer ist
  • wie wichtig frühe Startzeiten wirklich sind
  • wie schnell Komfort eine neue Bedeutung bekommt

Dunkelheit, Stille und sehr reale Tiere

Tunnel Creek brachte einen Stimmungswechsel. Stirnlampe an, Schuhe aus, rein ins Dunkel. Knietief durchs Wasser, Fledermäuse über dem Kopf, kühle Luft. Der Tunnel öffnet sich am Ende in eine grüne Oase. Still, fast unwirklich. Einer dieser Orte, die man nicht laut kommentieren will.

Zum Schluss Windjana Gorge. Hohe Kalksteinwände, ein breites Flussbett – und überall Freshwater-Krokodile, regungslos in der Sonne. Dazwischen Wallabies, als hätten sie ihren Auftritt geprobt. Naturdoku ohne Erzählerstimme.


Mit etwas Abstand betrachtet

Die Gibb River Road hat uns gefordert. Frühes Aufstehen, Staub in jeder Ritze, Fliegen, Hitze, Zweifel. Wir haben Brandspuren gesehen, liegen gebliebene Fahrzeuge, eigene Grenzen gespürt. Und trotzdem war da kein Moment, den wir hätten auslassen wollen.

Am Ende bleiben Schluchten, die sprachlos machen. Crocs und Wallabies nebeneinander. Und Scones an Orten, an denen man sie nie erwarten würde.

Trim McMudflap hat durchgehalten.
Wir auch. Staubig, müde – und ziemlich zufrieden.

 

 

Infobox

Gibb River Road – kurz eingeordnet
Ort: Kimberley, Western Australia
Länge: ca. 660 km
Charakter: Wellblech, Staub, Flüsse, Hitze
Rhythmus: frühe Starts, lange Tage, kurze Abende
Infrastruktur: punktuell vorhanden, nie selbstverständlich
Eindruck: fordernd, roh, überraschend vielfältig
Erinnerung: weniger die Strecke, mehr das Dazwischen

 

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