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Gorillas in Gabun – Eine Stunde im Regenwald

Mitten im lebendigen Mosaik der Regenwälder Gabuns erstreckt sich ein schimmerndes Heiligtum.

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 5. August 2023 Aktualisiert am 21. Juli 2026 4 Min. Lesezeit

Gabun | Gorillas in Gabun – Eine Stunde im Regenwald | Beitragsbild
Reiseziel Gabun
Vor Ort Besucht im August 2023
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Der Regenwald in Gabun ist dicht, feucht und deutlich weniger romantisch, als er auf Bildern aussieht.

Schon nach wenigen Minuten klebt die Kleidung am Körper. Wurzeln liegen quer über dem Weg, Äste hängen auf Gesichtshöhe und unter jedem Schritt gibt der Boden ein wenig nach. Gemeinsam mit erfahrenen Guides und Spurenlesern machten wir uns auf die Suche nach einer Gruppe Westlicher Flachlandgorillas.

Diese Gorilla-Unterart lebt in den Regenwäldern Zentralafrikas und kommt auch in mehreren Nationalparks Gabuns vor. Sie gilt als vom Aussterben bedroht. Zu den grössten Gefahren gehören Wilderei, Lebensraumverlust und Krankheiten wie Ebola.

Auf der Suche nach den Gorillas

Beim Gorilla-Trekking folgt man keinem ordentlich angelegten Rundweg.

Die Spurenleser achten auf abgebrochene Äste, frische Futterreste, Fussspuren und Schlafnester. Für mich sah der Wald dagegen an jeder Stelle ungefähr gleich aus: grün, dicht und leicht feindselig gegenüber trockener Kleidung.

Mit jedem Rascheln in den Büschen stieg die Aufmerksamkeit.

Meistens war es nur ein Vogel, ein Ast oder jemand aus unserer eigenen Gruppe, der versuchte, nicht über eine Wurzel zu stolpern.

Dann veränderte sich die Stimmung.

Die Guides wurden leiser, wir gingen langsamer und blieben schliesslich stehen.

Zwischen Blättern und Ästen bewegte sich etwas Dunkles.

Die erste Begegnung

Der erste Gorilla sass teilweise verdeckt im dichten Grün.

Kein dramatischer Auftritt, kein Brüllen und kein Blick direkt in die Kamera. Er sass einfach da und frass.

Nach und nach entdeckten wir weitere Tiere der Gruppe. Manche bewegten sich langsam durch die Vegetation, andere blieben fast regungslos sitzen. Die kräftigen Körper verschwanden erstaunlich leicht zwischen den Pflanzen.

Auf Fotos wirken Gorillas häufig imposant und bedrohlich. Vor Ort wirkten sie vor allem ruhig.

Wir hielten Abstand, sprachen leise und folgten den Anweisungen der Guides. Die Tiere waren an die Anwesenheit kleiner Besuchergruppen gewöhnt, blieben aber wilde Gorillas in ihrem natürlichen Lebensraum.

Das war keine Vorstellung.

Sie beschäftigten sich mit ihrem Alltag, während wir versuchten, möglichst wenig zu stören.

Ähnlich und trotzdem nicht gleich

Besonders eindrücklich waren die Hände, Gesichtsausdrücke und kleinen Bewegungen.

Ein Gorilla zog einen Ast zu sich, prüfte die Blätter und begann zu fressen. Ein anderer schaute kurz in unsere Richtung und wandte sich danach wieder wichtigeren Dingen zu.

Man erkennt Verhaltensweisen, die vertraut wirken.

Trotzdem wollte ich nicht zu viel hineininterpretieren. Ein nachdenklicher Blick bedeutet nicht automatisch, dass der Gorilla gerade über den Sinn des Lebens oder unsere schlechte Wanderausrüstung nachdenkt.

Vielleicht überlegte er auch nur, welches Blatt als Nächstes gegessen wird.

Eine Stunde, die schnell vergeht

Nach dem ersten Kontakt durften wir ungefähr eine Stunde bei der Gruppe bleiben.

Am Anfang klingt das nach ausreichend Zeit.

Vor Ort vergeht sie schnell.

Man beobachtet, macht einige Bilder, legt die Kamera wieder weg und versucht, den Moment nicht nur durch einen Bildschirm zu erleben. Kaum hat man sich an die Anwesenheit der Tiere gewöhnt, geben die Guides das Zeichen zum Aufbruch.

Die Begrenzung schützt die Gorillas vor Stress und reduziert das Risiko, dass Menschen Krankheiten auf die Tiere übertragen. Der Gorilla-Tourismus in Gabun arbeitet deshalb mit kleinen Gruppen, festen Regeln und habituierten Gorilla-Familien.

Wir verabschiedeten uns nicht wirklich.

Die Gorillas frassen weiter.

Nur wir gingen.

Schutz auf dem Papier und im Wald

Gabun hat grosse Waldflächen unter Schutz gestellt und mehrere Nationalparks eingerichtet. Der Ivindo-Nationalpark gehört seit 2021 zum UNESCO-Welterbe und beherbergt neben Westlichen Flachlandgorillas auch Schimpansen, Waldelefanten und zahlreiche weitere bedrohte Arten.

Nationalparks allein lösen allerdings nicht alle Probleme.

Wilderei, Krankheiten, Holzeinschlag und wirtschaftliche Interessen machen den Schutz aufwendig. Forschung, ausgebildete Ranger und kontrollierter Tourismus können dazu beitragen, Tiere zu überwachen, Arbeitsplätze zu schaffen und den Erhalt der Wälder wirtschaftlich relevanter zu machen.

Nach dem Trekking ging es denselben Weg zurück.

Wieder über Wurzeln, durch Schlamm und unter Ästen hindurch. Die Kleidung war nass, die Schuhe dreckig und die Kamera voller Bilder, von denen ein beachtlicher Teil hauptsächlich Blätter zeigte.

Trotzdem blieb ein breites Lächeln.

Nicht weil die Begegnung besonders dramatisch gewesen wäre.

Sondern weil sie es nicht sein musste.

Wo das war

Steckbrief

Ort
Doussala, Gabun
Bereist
August 2023
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