Guinea – grün, freundlich und ziemlich durchgeschüttelt
Guinea überrascht mit grünen Wäldern, tiefen Tälern und dem Kambadaga-Wasserfall. Die Infrastruktur fordert, die Landschaft entschädigt.

Guinea ist bisher das schönste Land, das ich in Westafrika bereist habe. Es bietet grüne Wälder, tiefe Täler und atemberaubende Wasserfälle. Eine Landschaft, die einen immer wieder daran erinnert, warum man sich solche Strecken überhaupt antut.
Inzwischen habe ich mit meiner China-Gurke auch die 1’000-Kilometer-Grenze geknackt. Ein kleines Wunder auf zwei Rädern. Oder zumindest ein chinesisches. Auch das Visum für die Elfenbeinküste ist bereits im Pass. Nun gilt es also, die lange Reise dorthin in Angriff zu nehmen.
Und das ist durchaus eine Herausforderung.
Die Strassen sind weit weg von dem, was wir aus Europa kennen. Schlaglöcher, die gefühlt ganze Autos verschlucken, einmal kräftig durchschütteln und dann wieder ausspucken, gehören hier zum Alltag. Dazu kommen Autos und Lastwagen, die einem gerne halb auf der eigenen Spur entgegenkommen, als wäre Gegenverkehr eher eine philosophische Frage als eine konkrete Gefahr.
Ich versuche also, gleichzeitig den Löchern, den Autos, den Lastwagen und gelegentlich auch meinen eigenen Gedanken auszuweichen. Aber hey, man gewöhnt sich an vieles.
Auch Dinge, die einem in Europa völlig normal erscheinen, werden unterwegs plötzlich nebensächlich. Funktionierende Bankomaten. Toilettenpapier. Duschen. Internet. Alles schön, wenn vorhanden. Wenn nicht, dann eben nicht. Sogar um 20.30 Uhr ins Bett zu gehen, fühlt sich irgendwann ganz normal an. Es gibt schliesslich nicht wahnsinnig viel zu tun, wenn es dunkel ist, das Netz nicht funktioniert und man sich fragt, ob das Geräusch draussen ein Tier, ein Mensch oder nur die eigene Müdigkeit ist.
Umso wichtiger ist es, am Tag die Aussicht zu geniessen. Die Freundlichkeit der Menschen aufzunehmen. Und diese unglaublich schöne Landschaft nicht einfach nur als anstrengende Strecke zwischen zwei Grenzen zu sehen.
Ein besonderes Highlight war der Kambadaga-Wasserfall, einer der wichtigsten Wasserfälle Guineas. Den Weg dorthin legte ich mit einem Motorradtaxi zurück, dem hier wohl gängigsten Transportmittel. Schon die Fahrt war ein kleines Abenteuer für sich. Nicht unbedingt bequem, nicht unbedingt vertrauenserweckend, aber definitiv passend zu Guinea. Und am Ende war es die Sache wert.
In den nächsten Tagen geht es nun weiter Richtung Grenze. Hoffen wir mal, dass die Regensaison noch ein paar Tage Ruhe gibt. Die Strassen sind schon abenteuerlich genug, auch ohne zusätzlichen Weltuntergang von oben.
Praktisches
- Anfahrt
- Motorrad-Taxi zum Kambadaga-Wasserfall
- Fahrzeug
- China Gurke (über 1000 Kilometer gefahren)
- Reisezeit
- Vor oder nach der Regensaison
Steckbrief
- Erlebnis
- Der Kambadaga-Wasserfall per Motorrad-Taxi erreicht
- Kontrast
- Atemberaubende Natur trifft auf Strassen mit autoschluckenden Löchern
- Hinweis
- Mit Motorrad-Taxi zum Kambadaga-Wasserfall fahren
- Was bleibt
- Gewöhnung an fehlende Infrastruktur und frühe Bettzeiten bei 20:30 Uhr
- Bereist
- Juni 2023