Hotels in Westafrika – Komfortzone mit Froschbesuch
Hotels in Westafrika sind ein Erlebnis für sich – zwischen freundlichem Service, lockerem Komfort und unerwarteten Überraschungen.

Bis jetzt bin ich einigermassen erstaunt, wie viele ordentliche Hotels es in Westafrika gibt. Klar, wir reden hier nicht von europäischem Standard mit flauschigem Teppich, funktionierendem Lichtkonzept und Frühstücksbuffet mit drei Sorten Hafermilch. Aber trotzdem bekommt man für vergleichsweise wenig Geld oft ein geräumiges Zimmer und ein Dach über dem Kopf, das seinen Job grundsätzlich macht.
Viele Unterkünfte versuchen, etwas Lokales oder Afrikanisches einzubringen. Das ist gut gemeint, kippt aber gelegentlich in eine Art Dekorationsnotstand. Bunte Stoffe, schwere Holzmöbel, Wandbilder, Muster, Schnitzereien – manchmal alles gleichzeitig. Weniger wäre oft mehr. Aber immerhin: Es wurde versucht.
Bei der Sauberkeit muss man ab und zu ein Auge zudrücken. Oder zwei. Je nach Tagesform. Es kann schon vorkommen, dass man Besuch bekommt. Ein Frosch im Zimmer, eine Maus irgendwo in der Nähe, Moskitos sowieso. Die gehören offenbar zum Inventar. Moskitonetze dagegen leider nicht immer. Ein kleines Missverständnis in der Ausstattungspolitik.
Auch das Klima hinterlässt überall Spuren. Viele Gebäude wirken, als würden sie täglich gegen Feuchtigkeit, Hitze und Zeit verlieren. Wasserschäden sieht man häufig, Farbe blättert ab, Wände wirken müde. Dazu kommen elektrische Installationen, bei denen man nicht zu lange hinschauen sollte, wenn man danach noch ruhig schlafen möchte.
Oft funktioniert eine von vier Steckdosen. Manchmal hängt sie nur noch an den Kabeln aus der Wand, als hätte sie innerlich längst gekündigt. In einem Zimmer stand sogar mein Handy leicht unter Strom. Nicht im übertragenen Sinn, sondern wirklich. Auch Lampen hängen gerne an Kabeln von der Decke, bei denen man hofft, dass irgendjemand damals wusste, was er tat. Oder wenigstens ungefähr.
Die Sanitäranlagen sind ein eigenes Kapitel. Toilettensitze sind keine Selbstverständlichkeit. Toilettenpapier bringt man besser selber mit. Lavabos sehen manchmal so aus, als würden sie schon beim Anschauen auseinanderfallen. Duschen bestehen gerne aus einer tröpfelnden Wasserleitung, bei der man sich fragt, ob das jetzt Absicht ist oder ein sehr langsamer Wasserschaden. In solchen Momenten bevorzuge ich tatsächlich den Wasserkübel. Der ist ehrlicher. Und man kann damit wenigstens auch die Toilette spülen.
WiFi ist in vielen Hotels eher eine theoretische Idee. Stromversorgung ebenfalls. Stromausfälle gehören zum Alltag, und irgendwann beginnt man automatisch, jedes Gerät sofort zu laden, sobald irgendwo eine Steckdose funktioniert. Man weiss ja nie, ob sie in zehn Minuten noch Strom hat. Oder noch an der Wand hängt.
Auch beim Schlafkomfort gelten eigene Regeln. Wer eine BICO-Matratze erwartet, sollte seine Erwartungen vorher vielleicht in Europa lassen. Viele Betten sind härter als der Boden, dafür immerhin meist gross. Ventilatoren haben zwei Modi: Orkan direkt ins Gesicht oder Luftstrom ins absolute Nirgendwo. Eine angenehme Mittelstufe wäre vermutlich zu viel Luxus.
Wecker braucht man hier übrigens nicht. Entweder übernimmt der Hahn um vier Uhr morgens, eine Ziege direkt danach, oder die nächstgelegene Moschee sorgt per Lautsprecher dafür, dass niemand versehentlich ausschläft. Westafrika hat ein sehr zuverlässiges Frühwarnsystem. Nur halt nicht immer freiwillig.
Eines der seltsamsten Hotelerlebnisse war definitiv ein Manager, der den ganzen Tag Pornos schaute. Und zwar nicht diskret irgendwo im Hinterzimmer, sondern auf dem Hauptfernseher im Hauptraum. Gut sichtbar und hörbar für alle Gäste. Morgens um halb fünf, abends um acht – das Programm lief erstaunlich konstant. Traurig und witzig zugleich. Sicher nicht das Animationsprogramm, das die meisten Gäste erwarten.
Es erinnerte mich an die Friends-Folge, in der Chandler und Joey plötzlich gratis Porno empfangen und Angst haben, den Sender zu wechseln, weil er sonst verschwinden könnte. Nur war es hier weniger Sitcom und mehr: Willkommen im Hotelalltag, offenbar.
Und trotzdem: Die Menschen sind extrem freundlich, das Essen ist oft richtig gut und das Bier, sofern vorhanden, ebenfalls. Man muss einfach akzeptieren, dass Komfort hier anders definiert wird. Nicht schlechter in jeder Hinsicht, aber sicher anders. Manchmal praktischer, manchmal improvisierter, manchmal leicht lebensgefährlich verkabelt.
Ein Hotelbesuch in Westafrika ist deshalb selten einfach nur eine Übernachtung. Es ist meistens ein kleines Erlebnis. Mit Überraschungen, Kompromissen, seltsamen Details und Geschichten, die man in einem perfekt funktionierenden Businesshotel nie bekommen würde.
Und vielleicht ist genau das der Punkt.
Steckbrief
- Ort
- Faranah, Guinea
- Erlebnis
- Geräumige Zimmer mit viel Afrika-Kitsch, dafür Frösche, Mäuse und morgens der Hahn als Wecker
- Kontrast
- Freundliche Gastgeber und gutes Essen, aber Steckdosen unter Strom und Duschen ohne Wasser
- Tipp
- Toilettenpapier selbst mitbringen, Wasserkübel der Dusche vorziehen
- Was bleibt
- Eine andere Komfortzone – und die Erkenntnis, dass Hotelstandards relativ sind
- Bereist
- Juni 2023