Im Reich der Mücken und Wunder – unser Dschungel-Finale
Keine Orang-Utans, dafür Elefanten im Abo und ein weisser Delfin – echter Dschungel braucht Lücken im Plan.

Zum Ende unserer Malaysia-/Borneo-Reise wollten wir es nochmals wissen. Kein Resort, kein Cocktail mit Schirmchen – sondern Dschungel. Richtig. Feucht. Laut. Lebendig.
Fünf Tage lang Natur pur, in zwei Lodges – erst am Kinabatangan River, dann noch ein Stück weiter, dorthin, wo Google Maps nur noch seufzt und selbst die Mücken kurz innehalten. Die Anreise: ein Mix aus Minibus-Schaukelkurs und Speedboot mit Turbogang – Fahrtwind im Gesicht, Urwaldkulisse im Herzen, Bandscheiben am Limit.
Die erste Lodge: komfortabel, gut organisiert, mit Buffet zum Verlieben (und Bier, das mehr nach Luxusgut als nach Lager klang). Ja, es war touristisch – aber charmant zurückhaltend. Keine Selfie-Sticks im Sichtfeld, keine Elefanten auf Abruf. Die kamen freiwillig – gleich mehrfach. Und das mit einer Selbstverständlichkeit, als wollten sie sagen: «Ihr schon wieder?»
Orang-Utans dagegen spielten auf Zeit. Oder Verstecken. Oder beides. Wir hielten die Augen offen, die Kamera bereit – und sahen: nichts. Kein rotes Fell, kein neugieriger Blick. Nur die leise Ahnung, dass sie irgendwo da draussen sind und uns beobachten. Wahrscheinlich lachend.
Stattdessen: eine Höhle voller Fledermäuse, Kakerlaken und einem Geruch, der mit «gewöhnungsbedürftig» noch sehr charmant umschrieben ist. Masken, Handschuhe, Taschenlampen – ein bisschen wie Pandemie, nur mit mehr Krabbeltieren. Und ja, es gibt Menschen, die dort übernachten, um Vogelnester zu bewachen. Held:innen oder Wahnsinnige? Wahrscheinlich beides.
Die zweite Lodge war kleiner, einfacher, näher dran an der Wildnis – und genau das gefiel uns. Keine Ablenkung, keine Animation. Nur wir, der Dschungel und das ständige Rascheln, Summen, Schreien des Lebens ringsum. Wir machten Treks, Bootsfahrten, Nachtfahrten – entdeckten Vögel in allen Farben, seltsame kleine Wesen und erneut: Elefanten. Diese Tiere hatten offenbar ein Abo auf unsere Reiseroute.
Ein stiller Höhepunkt: ein riesiges Krokodil, das fast lautlos durchs Wasser glitt, als würde es die Hauptrolle in einem Naturdokumentarfilm spielen – wir waren nur Statist:innen.
Und dann, als wäre das alles noch nicht genug: Delfine im offenen Meer, bei Sonnenaufgang. Darunter ein weisser. Ein Moment, der nicht viel wollte – ausser erlebt zu werden.
Orang-Utans? Noch immer keine. Aber ehrlich gesagt – wir waren ihnen nicht böse. Vielleicht braucht echte Wildnis genau das: Lücken im Plan. Raum für Zufall. Für Magie, die sich nicht auf Knopfdruck zeigt.
Steckbrief
- Ort
- Lahad Datu, Malaysia
- Erlebnis
- Fünf Tage Dschungel zwischen Elefanten-Begegnungen, Fledermaus-Höhle und einem weissen Delfin bei Sonnenaufgang.
- Kontrast
- Von komfortabler Lodge mit Buffet zur einfachen Unterkunft, wo nur das Rascheln des Dschungels zählt.
- Tipp
- Die zweite, einfachere Lodge bringt dich näher an die Wildnis – ohne Ablenkung, nur du und der Urwald.
- Was bleibt
- Dass Orang-Utans sich nicht zeigen müssen, damit der Dschungel unvergesslich wird.
- Bereist
- Juni 2025