Kapstadt – wunderschön, aber nicht einfach
Die positiven Aspekte dieser Stadt sind beeindruckend.

Die positiven Aspekte dieser Stadt sind beeindruckend. Man kann nicht umhin, von der herzlichen Gastfreundschaft ihrer Bewohner fasziniert zu sein, die Besucher stets mit echten Lächeln und Hilfsbereitschaft empfangen. Die lebhafte Kulinarik erstaunt mich ebenfalls – von der einzigartigen Geschmacksmischung der Kapmalaiischen Küche bis hin zu den weltklasse Weinen der nahegelegenen Weingüter gibt es immer etwas, das meine Geschmacksknospen reizte.
Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal in Kapstadt ankam, war ich ziemlich schnell beeindruckt. Und zwar nicht so ein bisschen «ja, nett hier»-beeindruckt, sondern richtig. Diese Stadt hat einfach eine Lage, bei der andere Städte unfairerweise gar nicht erst mitspielen können.
Der Tafelberg steht da, als hätte ihn jemand extra für Postkarten hingestellt. Vorne das Meer, hinten die Berge, dazwischen Stadt, Strände, Licht, Farben und dieses Gefühl, dass hier alles ein bisschen dramatischer aussieht als anderswo. Besonders am Abend. Das Licht ist dann irgendwie anders. Schwer zu beschreiben, aber man merkt es sofort. Es legt sich über die Stadt, die Berge und das Meer, und plötzlich sieht sogar ein ganz normaler Moment aus, als hätte jemand an den Einstellungen gedreht.
Und genau diese Faszination traf mich auch dieses Mal wieder. Kapstadt kann das. Man kommt an, schaut sich um und denkt: Ja gut, schön ist es hier schon. Leider sogar sehr.
Die positiven Seiten sind offensichtlich. Die Landschaft ist spektakulär, die Strände sind wunderschön, die Stadtviertel spannend und die kulinarische Szene richtig stark. Kapmalaiische Küche, gute Cafés, Restaurants, Märkte und natürlich die Weingüter in der Umgebung. Man kann hier ziemlich gut essen und trinken, ohne lange suchen zu müssen. Ein gefährliches Talent einer Stadt.
Auch die Menschen erlebte ich wieder als herzlich und hilfsbereit. Natürlich ist das nie überall gleich, aber Kapstadt hat diese offene Art, die es einem leicht macht, sich willkommen zu fühlen. Man kommt schnell ins Gespräch, bekommt Tipps, ein Lächeln, Hilfe oder zumindest einen freundlichen Spruch. Das macht viel aus.
Aber man kann Kapstadt nicht nur als schöne Kulisse erzählen. Dafür sind die Schattenseiten zu präsent. Kriminalität ist ein Thema. Für Einheimische sowieso, aber auch als Besucher merkt man, dass man aufmerksamer unterwegs ist als in vielen anderen Städten. Man überlegt sich, wo man langläuft, wann man unterwegs ist und ob das Handy jetzt wirklich offen in der Hand sein muss. Das nimmt der Stadt nicht ihre Schönheit, aber es verändert, wie man sich in ihr bewegt.
Dazu kommen die Probleme mit Wasser und Strom. Die Wasserknappheit der letzten Jahre hat Kapstadt stark geprägt. Auch wenn sich die Situation wieder verbessert hat, bleibt das Thema präsent. Und dann ist da noch der Strom. Loadshedding gehört oder gehörte für viele zum Alltag: mehrere Stunden ohne Strom, weil das Netz nicht zuverlässig genug funktioniert. Für Besucher ist das vielleicht kurz mühsam. Für Menschen, die hier leben und arbeiten, ist es eine ganz andere Belastung.
Genau diese Gegensätze machen Kapstadt so schwer einzuordnen. Einerseits ist da diese unglaubliche Schönheit: Bo-Kaap mit seinen Farben, Robben Island mit seiner Geschichte, der Tafelberg, die Küste, die Winelands, die Aussichtspunkte, die Strände. Andererseits spürt man, dass hier nicht alles leicht ist. Die Stadt ist wunderschön, aber sie ist nicht sorglos.
Vielleicht bleibt sie gerade deshalb so stark hängen. Kapstadt ist keine perfekte Postkarte. Sie ist viel schöner, komplizierter und widersprüchlicher als das. Man kann an einem Tag am Meer stehen und denken, dass es kaum einen schöneren Ort gibt. Und am selben Tag wird man daran erinnert, dass diese Schönheit nicht alle Probleme überdeckt.
Für mich bleibt Kapstadt trotzdem eine der schönsten Städte der Welt. Vielleicht nicht trotz ihrer Gegensätze, sondern auch wegen ihnen. Sie ist beeindruckend, lebendig, manchmal anstrengend, manchmal unbequem – aber definitiv ein Ort, den man nicht einfach abhakt und vergisst.
Ein weiteres Hindernis ist das Problem des Strom und Wassermangels. Die dramatische Wasserknappheit der letzten Jahre zwang die Bewohner Kapstadts zu strengen Wasserbeschränkungen. Dies betraf nicht nur ihr tägliches Leben, sondern war auch eine eindringliche Erinnerung an die Fragilität unserer natürlichen Ressourcen. Die Situation hat sich verbessert, aber es dient als ernüchternde Mahnung, dass nachhaltige Praktiken Priorität haben müssen. Meistens wird für mehrere Stunden am Tag der Strom abgestellt. Das Stromnetz ist nicht für die Menge an Personen gemacht.
Trotz dieser Herausforderungen bleibt Kapstadt ein Ort atemberaubender Schönheit und Faszination. Von dem bunten Bo-Kaap-Viertel bis hin zur inspirierenden Robben Island, auf der Nelson Mandela eingesperrt war, gibt es eine reiche Geschichte zu erkunden. Die erstklassigen Museen und Galerien sowie die atemberaubenden Landschaften in den nahegelegenen Nationalparks festigen Kapstadts Ruf als absoluten Reise-Must-See.
Als ich Kapstadt verliess, war mein Herz sowohl von Bewunderung für seinen bemerkenswerten Geist als auch von Sorge wegen der Herausforderungen schwer. Es ist eine Stadt, die einen unauslöschlichen Eindruck in der Seele der Reisenden hinterlässt, ein Ort, an dem sich Positives und Negatives vermischen und eine Erfahrung schaffen, die wirklich unvergesslich ist.
Für mich ist und bleibt es eine der schönsten Städte der Welt.
Steckbrief
- Ort
- Cape Town, Südafrika
- Bereist
- September 2023