Vom Fish River Canyon nach Cape Town – Fluss, Wein und wieder ein richtiges Bett
Nach drei Wochen Zelt und Staub endete die Tour in Cape Town – mit Wein, echtem Bett und dem Luxus, einfach mal nichts zu müssen.

Nach dem Fish River Canyon ging es weiter Richtung Süden, an die Grenze zu Südafrika. Unser letzter Stopp in Namibia lag am Orange River, und das war nochmals ein ziemlich schöner Abschluss. Ein Campingplatz direkt am Fluss, dazu sogar ein Pool und eine nette Bar. Nach all den trockenen Landschaften, Schluchten und Staubpisten fühlte sich so ein Nachmittag am Wasser fast schon luxuriös an.
Wir machten nicht mehr viel. Genau richtig also. Sitzen, schauen, etwas trinken, den Fluss vorbeiziehen lassen und innerlich schon ein bisschen realisieren, dass Namibia nun langsam vorbei ist. Nach so vielen Tagen im Zelt, im Staub und irgendwo zwischen Nichts und sehr viel Nichts war das ein angenehm gemütlicher Zwischenhalt.
Am nächsten Morgen ging es früh weiter. Grenze nach Südafrika. Und wie so oft, wenn man vorher ein bisschen mit Wartezeit, Papierkram und allgemeinem Grenzdrama rechnet, lief es dann ziemlich entspannt. Ausreise, Einreise, Stempel, fertig. Fast enttäuschend unspektakulär. Aber natürlich genau so, wie man es haben möchte.
Gegen Abend kamen wir auf einem Weingut im Highland Western Cape an. Ein schöner letzter gemeinsamer Abend mit der Gruppe, inklusive Weindegustation. Nach Wochen mit Campinggeschirr, staubigen Schuhen und eher einfachen Mahlzeiten war das schon ein kleiner Stilbruch. Plötzlich stand man da mit einem Glas Wein in der Hand und tat kurz so, als wäre man nicht dieselbe Person, die wenige Tage vorher noch Sand aus jeder Tasche geschüttelt hatte.
Die Nacht wurde dann nochmals frisch. Südafrika erinnerte uns direkt daran, dass Winter hier nicht nur ein theoretisches Konzept ist. Aber immerhin war es die letzte Nacht im Zelt. Das hilft mental. Sehr sogar.
Am nächsten Morgen folgte der letzte Abschnitt nach Cape Town. Die Fahrt war erstaunlich entspannt, und irgendwann war sie dann einfach da: die Stadt, der Verkehr, Häuser, Menschen, Meer, Berge. Nach drei Wochen Zeltleben fühlte sich das fast ein bisschen unwirklich an.
Cape Town empfing uns allerdings eher grau und leicht regnerisch. Nicht dramatisch, aber doch klar genug, um zu merken: Ah ja, Winter. Uns wurde auch bewusst, wie viel Glück wir in den letzten Wochen mit dem Wetter gehabt hatten. Klar, es gab kalte Nächte und windige Momente, aber insgesamt hätte das alles deutlich ungemütlicher sein können.
Trotzdem zeigte sich Cape Town natürlich nicht nur von der grauen Seite. Die Sonne kam zwischendurch raus, und auch der Tafelberg liess sich blicken. Nicht dauernd, nicht auf Bestellung, aber genug, um zu wissen: Ja, schön ist es hier schon.
Während wir dort waren, fand auch noch ein Marathon statt. Allerdings ohne uns. Wir blieben bei der vernünftigeren Variante: Zuschauen. Andere liefen also durch Cape Town, wir standen herum, fanden das beeindruckend und waren gleichzeitig sehr zufrieden mit unserer eigenen sportlichen Entscheidung. Nach drei Wochen im Zelt muss man ja nicht direkt übertreiben.
Wir machten in Cape Town nicht mehr allzu viel. Und das war genau richtig so. Wir kennen die Stadt beide schon, also gab es keinen Druck, jetzt noch jeden Aussichtspunkt, jedes Viertel und jede Sehenswürdigkeit abzuarbeiten. Stattdessen genossen wir es, ruhig zu machen, in einem richtigen Bett zu schlafen und nicht schon wieder im Dunkeln nach Stirnlampe, Zahnbürste und Schlafsack zu suchen.
Ein bisschen Programm gab es dann aber doch noch: eine Weintour in den Winelands. Raus aus der Stadt, rein in gepflegte Gärten, schöne Weingüter und Landschaften, die so tun, als hätte es Staub, Zelt und Grenzübertritt nie gegeben. Nach den letzten Wochen war das fast schon unanständig komfortabel.
Natürlich hört man bei einer Weindegustation am Anfang noch interessiert zu. Rebsorte, Boden, Abgang, Frucht, Holz. Man nickt fachkundig, auch wenn man innerlich vor allem denkt: schmeckt gut. Später wird die Analyse dann noch präziser: Der ist gut. Der auch. Schwieriges Fachgebiet, aber jemand muss es ja machen.
Cape Town war für uns diesmal weniger grosses Sightseeing-Programm und mehr langsames Ankommen. Duschen, Bett, etwas Stadtluft, ein bisschen Tafelberg, Marathonstimmung aus sicherer Distanz und Wein in sehr angenehmer Umgebung. Passte tiptop.
Und ja, unsere Weiterreise musste ja auch noch geplant werden. Noch ein bisschen länger in Südafrika bleiben? Oder doch langsam zurück Richtung Europa? Verschiedene Möglichkeiten durchgehen, ein bisschen träumen, abwägen – und dann irgendwann entscheiden.
Steckbrief
- Erlebnis
- Der Kontrast zwischen wochenlangem Zelten und plötzlichem Komfort in Cape Town.
- Kontrast
- Von staubigen Campingplätzen am Orange River zu Weindegustationen in gepflegten Weingütern.
- Hinweis
- Nach einer längeren Camping-Tour bewusst Zeit zum Ankommen einplanen, statt direkt ins Sightseeing-Programm zu starten.
- Was bleibt
- Das Gefühl, dass ein richtiges Bett nach drei Wochen Zelt unglaublich luxuriös sein kann.
- Bereist
- Mai 2026