Lambaréné – Zwischen Tropenwald und Medizingeschichte
Lambarene, für immer in den Geschichtsbüchern der Medizin verewigt, verdankt seinen Ruf einem Mann - dem visionären Arzt, Dr.

Lambaréné liegt am Ogooué, einem breiten Fluss, der sich durch das grüne Zentrum Gabuns zieht.
Die Stadt ist vor allem mit einem Namen verbunden: Albert Schweitzer.
Der Arzt, Theologe und Musiker kam 1913 gemeinsam mit seiner Frau Hélène Bresslau nach Lambaréné. Hier errichteten sie ein erstes Krankenhaus, aus dem später das Albert-Schweitzer-Spital entstand. Das historische Gelände aus den 1920er-Jahren dient heute teilweise als Museum, während in der Nähe ein modernes Krankenhaus weitergeführt wird.
Ein Krankenhaus am Fluss
Das Gelände liegt ruhig am Ogooué.
Zwischen einfachen Gebäuden, alten Behandlungsräumen und Wohnhäusern lässt sich nachvollziehen, unter welchen Bedingungen hier vor mehr als hundert Jahren Medizin betrieben wurde.
Die ursprüngliche Anlage hatte wenig mit einem heutigen Spital gemeinsam. Die Ausstattung war einfach, Medikamente und Personal waren begrenzt, und viele Behandlungen mussten unter Bedingungen erfolgen, die heute kaum mehr vorstellbar sind.
Später wurde das Krankenhaus erweitert und modernisiert. Seit 1974 wird es von einer internationalen Stiftung nach gabunischem Recht getragen. Ein neuer Spitalkomplex wurde 1981 eröffnet. Hinzu kam eine medizinische Forschungseinrichtung, die sich unter anderem mit Malaria und weiteren Infektionskrankheiten beschäftigt.
Das heutige Spital ist deshalb kein konserviertes Denkmal für einen einzelnen europäischen Arzt.
Es ist eine funktionierende medizinische Einrichtung, die mehrheitlich von gabunischem Personal getragen wird.
Albert Schweitzer und sein Vermächtnis
Albert Schweitzer wurde für seine Arbeit in Lambaréné weltweit bekannt und erhielt 1952 den Friedensnobelpreis. Lange galt er in Europa als nahezu unangreifbares Symbol für Humanität und Selbstaufopferung.
Diese Darstellung greift jedoch zu kurz.
Schweitzer leistete zweifellos medizinische Arbeit in einer Region, in der die Versorgung stark eingeschränkt war. Gleichzeitig war sein Denken von der kolonialen Zeit geprägt. Seine Haltung gegenüber der afrikanischen Bevölkerung war teilweise paternalistisch, und sein Führungsstil sowie die hygienischen und medizinischen Standards des damaligen Spitals wurden bereits zu seinen Lebzeiten kritisiert.
Beides gehört zur Geschichte.
Man muss Schweitzers Arbeit nicht kleinreden, um anzuerkennen, dass das Bild des selbstlosen weissen Arztes, der allein Medizin nach Afrika brachte, unvollständig ist.
Das Spital funktionierte nie nur durch ihn. Afrikanische Pflegekräfte, Hilfspersonal, Familienangehörige und später gabunische Ärztinnen und Ärzte waren entscheidend für seinen Betrieb.
Kein «unberührter» Ort
Auch Lambaréné selbst ist kein abgeschiedener Fleck im menschenleeren Regenwald.
Es ist eine Stadt mit Verkehr, Wohnquartieren, Geschäften und einem ganz normalen Alltag. Der Ogooué prägt das Leben, dient als Verkehrsweg und verbindet die verschiedenen Teile der Region.
Die üppige Umgebung bleibt dennoch eindrücklich.
Der Fluss fliesst breit und ruhig an der Stadt vorbei. Am Ufer wachsen dichte Pflanzen, Vögel rufen aus den Bäumen und die feuchte Luft lässt keinen Zweifel daran, dass man sich mitten in den Tropen befindet.
Romantisch ist das allerdings nur so lange, bis die Mücken eintreffen.
Geschichte ohne Heldenpose
Der Besuch in Lambaréné war für mich weniger ein Ausflug zu einem «heiligen Ort» als eine Begegnung mit einer komplizierten Geschichte.
Das Spital steht für medizinische Hilfe, internationale Zusammenarbeit und jahrzehntelange Forschung.
Es steht aber auch für eine Epoche, in der Europäer häufig glaubten, sie müssten Afrika erklären, führen und retten.
Heute wird die Arbeit nicht mehr von einem einzelnen berühmten Arzt bestimmt. Sie wird von gabunischem und internationalem medizinischem Personal fortgeführt, das unter schwierigen Bedingungen ganz konkrete Arbeit leistet.
Menschen werden untersucht, Kinder geboren, Krankheiten behandelt und Forschung betrieben.
Ohne grosse Worte.
Und vermutlich ist genau das die passendere Form, Lambaréné zu betrachten.
Nicht als verborgenes Juwel in der afrikanischen Wildnis.
Sondern als Stadt am Ogooué, in der Geschichte, Medizin und Gegenwart auf engem Raum zusammenkommen.
Steckbrief
- Ort
- Lambarene, Gabun
- Bereist
- August 2023