Merzouga – Zwischen Dünen, Sternenhimmel und Kamelen
Merzouga beeindruckt mit gigantischen Dünen und Sternenhimmel, doch die Gastfreundschaft der Berber bleibt am stärksten in Erinnerung.

Merzouga ist ein winziges Dorf am Rand der Sahara im Osten Marokkos. Eigentlich sieht es kaum wie ein Dorf aus. Ein paar Häuser, staubige Strassen, Unterkünfte und rundherum Sand. Trotzdem zieht der Ort Menschen aus der ganzen Welt an.
Ich erreichte Merzouga kurz vor Sonnenuntergang. Der Himmel färbte sich rot, orange und gelb, während die Sonne langsam hinter den hohen Dünen verschwand. Für einige Minuten wirkte alles still. Kein Verkehr, keine Häuserzeile, keine Ablenkung. Nur Sand, Licht und ein Horizont, der plötzlich sehr weit weg schien.
Nach Einbruch der Dunkelheit wurde der Himmel beinahe noch eindrücklicher. Die Sterne waren so klar zu sehen wie an nur wenigen Orten zuvor. Es fühlte sich an, als wäre ich weit entfernt von allem Gewohnten. Wahrscheinlich lag das teilweise an der Wüste und teilweise daran, dass das nächste grössere Einkaufszentrum erfreulich weit weg war.
Doch Merzouga besteht nicht nur aus Dünen und Sonnenuntergängen. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Menschen. Eine lokale Berberfamilie lud mich zum Mittagessen ein und servierte ein Berberomelett. Einfach, warm und besser als manches Gericht, das sich auf einer Speisekarte über drei Zeilen erklären muss.
Die Gastfreundschaft war bemerkenswert. Menschen, die selbst nicht viel besitzen, teilten Essen, Zeit und Geschichten mit einem Fremden. Ohne grosses Aufheben und ohne etwas dafür zu erwarten. Davon könnten wir uns durchaus etwas abschauen.
Natürlich gehört auch eine Kameltour dazu. Also sass ich wenig später auf einem Tier, dessen Gangart irgendwo zwischen Schaukelstuhl und schlecht gefederter Waschmaschine lag. Wir bewegten uns tiefer in die Dünen hinein, umgeben von Sand, Himmel und scheinbarer Leere.
Für einen Moment fühlte es sich tatsächlich an, als wäre ich der einzige Mensch weit und breit. Dieses Gefühl hielt ungefähr so lange an, bis hinter der nächsten Düne die nächste Kamelgruppe auftauchte. Die Einsamkeit der Sahara wird in Merzouga recht effizient im Schichtbetrieb organisiert.
Trotzdem verliert die Landschaft dadurch nicht ihre Wirkung. Die Dünen verändern mit jedem Lichtwechsel ihre Farbe. Ihre Formen wirken weich, obwohl jeder Schritt im Sand anstrengender ist, als er aussieht. Die Wüste ist gleichzeitig ruhig, überwältigend und erstaunlich unpraktisch.
Merzouga ist kein unberührter Geheimtipp. Dafür kommen längst zu viele Menschen hierher. Aber es ist ein Ort, der im Gedächtnis bleibt: wegen der Weite, des Sternenhimmels, der Begegnungen und der kleinen Momente zwischen all den touristischen Programmpunkten.
Vielleicht muss ein Ort nicht vollkommen einsam sein, um sich besonders anzufühlen. Manchmal reicht es, für ein paar Minuten zu glauben, man sei es.
Steckbrief
- Ort
- Errachidia, Marokko
- Erlebnis
- Sonnenuntergang über den höchsten Dünen Marokkos und ein Sternenhimmel wie in einer anderen Welt
- Kontrast
- Surreale Einsamkeit in den Dünen versus die Realität vieler Touristen
- Tipp
- Einladung einer Berberfamilie annehmen und ihre Gastfreundschaft erleben
- Was bleibt
- Die unerklärliche Faszination dieses Ortes, die lange nachwirkt
- Bereist
- April 2023