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22 Stunden im Bus – Von Agadir nach Dakhla

22 Stunden Bus durch die Sahara: karg, endlos, anstrengend – aber eine unvergessliche Erfahrung von Freiheit und Weite.

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 8. Mai 2023 Aktualisiert am 21. Juli 2026 4 Min. Lesezeit

Moderner Bus auf der Straße während Sonnenuntergang auf dem Weg nach Dakhla.
Reiseziel Marokko
Vor Ort Besucht im Mai 2023

ZIch war wieder unterwegs. Diesmal führte mich die Reise von Agadir nach Dakhla, weit in den Süden. Es galt, Strecke zu machen. Sehr viel Strecke.

Rund 1’150 Kilometer liegen zwischen den beiden Städten. Der Bus benötigt dafür theoretisch etwa 20 Stunden. In der Praxis waren es bei mir eher 22 – eine Zeitspanne, in der man mehrere Filme schauen, ein Buch lesen oder sämtliche bisherigen Lebensentscheidungen hinterfragen kann.

Nach der Abfahrt in Agadir war die Landschaft zunächst überraschend grün. Die Strasse war gut ausgebaut, an den Fenstern zogen Felder, Ortschaften und bewachsene Hügel vorbei. Doch mit jedem Kilometer Richtung Süden wurde die Umgebung trockener.

Das Grün verschwand langsam. Zurück blieben staubige Ebenen, felsige Hügel und lang gezogene Strassen, die am Horizont einfach weiterzuführen schienen. Hin und wieder tauchten kleine Dörfer, Tankstellen oder einzelne Häuser auf. Danach wieder kilometerlang nichts.

Ich fühlte mich stellenweise wie in einem Western. Nur dass der Saloon durch eine Autobahnraststätte ersetzt worden war und der Cowboy vor mir seinen Sitz vollständig nach hinten geklappt hatte.

Nach einigen Stunden erreichten wir Tiznit. Die von einer historischen Stadtmauer umgebene Stadt ist besonders für ihre Silberarbeiten und Schmucktradition bekannt. Für uns war sie allerdings vor allem eine weitere Station auf einer Reise, deren Ende noch unangenehm weit entfernt lag.

Danach wurde die Landschaft zunehmend karger. Der Bus folgte der Atlantikküste Richtung Süden, vorbei an felsigen Abschnitten, weiten Ebenen und immer wieder kurzen Blicken auf den Ozean.

Später erreichten wir Laâyoune, die grösste Stadt der Westsahara. Spätestens hier wurde deutlich, wie weit wir uns bereits von Agadir entfernt hatten. Gleichzeitig lagen noch immer mehrere Hundert Kilometer vor uns.

Südlich von Laâyoune wurde die Strecke endgültig zur Geduldsprobe. Sand, Felsen, Kontrollposten und eine Strasse, die sich scheinbar endlos durch die Landschaft zog. Dazwischen tauchten kleine Fischersiedlungen und einzelne Strände auf, die so abgelegen wirkten, als hätte man sie beim Bau der Welt beinahe vergessen.

Die Aussicht war eindrücklich. Das Sitzen nach ungefähr 15 Stunden weniger.

Mit der Zeit entwickelte sich im Bus ein eigener Rhythmus. Schlafen, aufwachen, aus dem Fenster schauen, etwas essen und feststellen, dass die Landschaft noch immer ungefähr gleich aussah. Danach wieder schlafen.

Trotzdem hatte die Fahrt etwas Besonderes. Diese Weite, das fast vollständige Fehlen von Siedlungen und der Atlantik, der immer wieder neben der Strasse auftauchte, vermittelten ein Gefühl von Abgeschiedenheit, das man auf kürzeren Reisen kaum erlebt.

Kontrollposten gehörten auf dieser Strecke ebenfalls dazu. Im Bus wurde natürlich vor allem ich kontrolliert – als ausländischer Reisender fiel ich offenbar zuverlässig auf. Hilfreich sind deshalb vorbereitete Fiches mit den wichtigsten Pass- und Reisedaten. Statt bei jeder Kontrolle erneut alles aufzuschreiben, konnte ich einfach einen Zettel abgeben. Das machte die Stopps zwar nicht überflüssig, aber immerhin deutlich schneller.

Nach vielen Stunden erschien Dakhla schliesslich am Horizont. Die Stadt liegt auf einer schmalen Halbinsel zwischen Atlantik, Lagune und Wüste. Nach der langen Fahrt wirkte bereits der Anblick von Häusern wie eine kleine Sensation.

Dakhla ist vor allem für seine Lagune und die konstanten Windverhältnisse bekannt. Kitesurfer kommen aus aller Welt hierher. Andere suchen Ruhe, Wüste und Meer. Und manche sind, wie ich, einfach auf dem Weg weiter Richtung Mauretanien.

Die Busfahrt von Agadir nach Dakhla war lang, anstrengend und stellenweise ziemlich eintönig. Gleichzeitig zeigte sie mir eine Seite der Region, die man aus dem Flugzeug nicht sieht: die langsamen Übergänge zwischen Städten, Küste und Wüste, die gewaltigen Distanzen und das Gefühl, sich tatsächlich Schritt für Schritt nach Süden zu bewegen.

Empfehlen würde ich die Strecke trotzdem.

Beim nächsten Mal vielleicht nicht alles an einem Stück.

Praktisches

Anfahrt
Mit dem Bus von Agadir
Fahrzeit
22 Stunden
Fahrzeug
Bus

Unsere Route

Steckbrief

Erlebnis
22 Stunden Busfahrt durch Wüste und entlang der Atlantikküste, von grünen Landschaften bis zur endlosen Sahara.
Kontrast
Von gut ausgebauten Strassen und Berberdörfern zu absoluter Leere – nur Sand, Felsen und Weite.
Hinweis
Nicht alles an einem Stück fahren, sondern Zwischenstopps einplanen.
Was bleibt
Das Gefühl von Freiheit und Abenteuer in der endlosen Wüstenlandschaft.
Bereist
Mai 2023

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Fahrt von Agadir nach Ad Dakhla?
Die Strecke ist 1100 Kilometer lang und dauert rund 22 Stunden. Die Fahrt führt entlang der Atlantikküste und durch die Sahara.
Was sieht man auf der Strecke?
Anfangs grüne Landschaften, dann zunehmend karge Wüste mit Sanddünen, Berberdörfern und Ausblicken auf den Ozean. Zwischenstopps sind Tiznit und Laayoune.
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