Mikkira Station – endlich Koalas, dafür mit Fliegenabo
Nach 100 Tagen nur einem Koala: Mikkira Station brachte die Wende – dutzende Tiere in Bäumen, dazu Hitze und Fliegenschwärme.

Nach über 100 Tagen Australien hatten wir genau einen einzigen Koala gesehen. Einen. In einem Land, das gefühlt auf jeder zweiten Postkarte mit Koalas wirbt, ist das schon eine eher schwache Quote. Wir hatten langsam den Verdacht, dass Koalas vielleicht gar keine Tiere sind, sondern ein sehr erfolgreiches Marketingkonzept.
Und dann kamen wir zur Mikkira Station.
Plötzlich waren sie überall. Auf Bäumen, in Astgabeln, halb versteckt zwischen Eukalyptusblättern, zusammengerollt wie kleine graue Sofakissen mit Ohren. Einige dösten, andere frassen, wieder andere sassen einfach da und wirkten, als hätten sie das Leben besser verstanden als wir. Kein Stress, keine Eile, keine Reiseplanung, kein nächster Campground. Nur Baum, Blatt, Schlaf. Beeindruckendes Konzept.
Mikkira Station ist kein Zoo und kein grosser touristischer Themenpark. Genau das machte es für uns so schön. Man läuft zwischen den Eukalyptusbäumen herum, schaut nach oben und entdeckt immer wieder einen neuen Koala. Manchmal braucht es einen Moment, bis man sie sieht. Dann erkennt man plötzlich eine runde Form, zwei Ohren, eine schwarze Nase – und fragt sich, wie man den eigentlich übersehen konnte.
Nach all den Monaten unterwegs war das ein richtig guter Moment. Nicht spektakulär im lauten Sinn, sondern eher dieses stille «endlich». Endlich Koalas. Nicht hinter Glas, nicht aus der Ferne, nicht als verschwommener Punkt irgendwo oben im Baum. Sondern einfach da. Viele sogar.
Natürlich wäre es fast zu schön gewesen, wenn der Ort nur aus Koalas, Ruhe und Natur bestanden hätte. Australien wäre nicht Australien, wenn es nicht noch irgendeinen kleinen Belastungstest eingebaut hätte. In diesem Fall: Fliegen.
Viele Fliegen.
Sehr viele Fliegen.
Wo Eukalyptus, Sonne und offene Landschaft sind, sind offenbar auch Fliegen der Meinung, dass menschliche Gesichter ein hervorragender Aufenthaltsort sind. Wir wedelten, fluchten, drehten uns weg, versuchten Fotos zu machen und hatten dabei vermutlich mehr Körperbewegung als an manchem Wanderweg. Naturbeobachtung mit Aerobic-Anteil.
Die Koalas beeindruckte das natürlich überhaupt nicht. Während wir versuchten, gleichzeitig Kamera, Geduld und Gesichtswürde zu behalten, sassen sie entspannt in ihren Bäumen und machten genau gar nichts. Oder frassen. Oder schliefen. Also eigentlich das, was Koalas eben tun. Mit einer Ruhe, die fast schon provozierend wirkte.
Trotzdem war Mikkira Station einer dieser Orte, die hängen bleiben. Vielleicht gerade, weil es nicht perfekt war. Weil man nicht einfach in sauberer Instagram-Idylle stand, sondern schwitzend, wedelnd und leicht genervt zwischen Bäumen herumstolperte – und trotzdem glücklich war.
Denn irgendwann vergisst man die Fliegen kurz. Man schaut nach oben, sieht fünf Koalas in einem kleinen Gebiet, hört den Wind in den Bäumen und merkt: Genau dafür ist man hier. Für solche Momente. Für Orte, an denen nach vielen Kilometern plötzlich das auftaucht, worauf man längst nicht mehr richtig zu hoffen gewagt hat.
Mikkira Station war für uns deshalb ein kleines Koala-Paradies. Nicht perfekt, nicht fliegenfrei, nicht ganz romantisch. Aber echt. Und nach über 100 Tagen mit nur einem einzigen Koala war das mehr als genug.
Steckbrief
- Ort
- Sleaford, Australien
- Erlebnis
- Nach langer Suche endlich dutzende Koalas in freier Wildbahn beobachten
- Kontrast
- Traumhafte Tierbegegnung trifft auf Fliegenschwärme und schwitzende Realität
- Tipp
- Fliegennetz oder Geduld mitbringen – die Koalas sind es wert
- Was bleibt
- Das Gefühl, genau deswegen zu reisen
- Bereist
- Oktober 2025