Pai – dreimal derselbe Ort, dreimal eine andere Realität
Pai hat sich vom entspannten Dorf über Corona-Stille zum Instagram-Hotspot gewandelt – dreimal derselbe Ort, dreimal eine andere Atmosphäre.

Pai 2018 (vor Corona) – Tanja:
Pai war locker, klein und angenehm durchmischt. Ein bisschen alternativ, ein bisschen Backpacker, ein bisschen Dorf. Abends ein paar Bars, Livemusik, Gespräche, die nicht sofort in Selbstdarstellung ausarteten. Rollerfahren ohne Stress, Märkte ohne Gedränge, Sonnenuntergänge ohne Publikum. Pai war kein Geheimtipp mehr, aber auch noch kein Ort, der sich verkaufen musste. Man blieb länger als geplant, einfach weil es sich leicht anfühlte.
Pai 2021 (während Corona) – Marcel:
Dann kam Corona – und Pai wurde still. Viele Läden geschlossen, kaum Touristen, leere Strassen. Und genau das tat dem Ort gut.
Plötzlich war Pai wieder ein Dorf. Wenig Ablenkung, viel Ruhe. Man sass im Café, hörte Natur statt Musik, hatte Zeit. Keine Partys, kein Programm, kein Druck. Es war nicht spektakulär, aber ehrlich. Vielleicht eine der besten Versionen von Pai – auch wenn sie unfreiwillig war.
Pai heute – Marcel & Tanja:
Heute ist Pai voll. Sehr voll.
Aber anders als früher. Weniger Hippies, weniger echtes „alternativ“, dafür deutlich mehr Partyvolk. Bars, Musik, Alkohol, Möchtegern-Rollerfahrer ohne Helm – und für uns auffallend viele israelische Reisende, die den Ort stark prägen. Nicht negativ gemeint, aber spürbar.
Pai wirkt heute wie ein Ort, der gleichzeitig Yoga-Retreat, Backpacker-Party und Social-Media-Kulisse sein will.
Instagram ist überall.
Sonnenuntergänge werden gefilmt statt angeschaut, Cafés nach Fotogenität ausgewählt, Erlebnisse zuerst dokumentiert und dann erlebt – wenn überhaupt. Vieles wirkt inszeniert. Weniger Neugier, mehr Bühne.
Dazu kommt, dass der Respekt gegenüber der lokalen Kultur spürbar abgenommen hat. Tempel, Kleidung, Verhalten – vieles wird eher ignoriert als bewusst übergangen. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Gleichgültigkeit.
Und dann ist da noch Kiffen. Seit der Legalisierung allgegenwärtig. Es gehört inzwischen genauso zum Strassenbild wie Smoothie-Bowls und Tattoo-Shops. Für manche entspannt, für den Ort eher ein weiteres Puzzleteil Richtung Beliebigkeit.
Pai fühlt sich heute an wie ein Ort, der zu viel gleichzeitig sein will:
spirituell am Morgen, selbstvergessen am Abend, „achtsam“ im Profil – und ziemlich egal im echten Leben.
Steckbrief
- Ort
- Pai, Thailand
- Erlebnis
- Drei Besuche, drei völlig unterschiedliche Gesichter eines Ortes im Wandel
- Kontrast
- Vom entspannten Backpacker-Dorf zur überfüllten Instagram-Kulisse mit Partyfokus
- Tipp
- Sonnenuntergänge anschauen statt filmen
- Was bleibt
- Die Erinnerung daran, dass Orte sich grundlegend verändern können
- Bereist
- Januar 2026
Häufige Fragen
Wie hat sich Pai durch Corona verändert?
Wie ist die Atmosphäre in Pai heute?
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