Politische Unruhen im Senegal – Rückzug mit Meerblick
Wegen politischer Unruhen in Dakar zog ich mich in den Süden zurück – mit Meerblick und ohne Bankzugang.

Nach rund 90 Tagen, in denen ich beinahe ständig unterwegs gewesen war, liess ich es für einige Tage ruhiger angehen.
Das war ohnehin nötig. Ständiges Weiterreisen klingt in der Rückschau abenteuerlich, besteht im Alltag aber auch aus Packen, Transport suchen, Unterkünfte finden und der wiederkehrenden Frage, weshalb man schon wieder um fünf Uhr morgens irgendwo stehen muss.
Gleichzeitig hatte sich die politische Lage im Senegal deutlich angespannt.
Im Mittelpunkt stand das Gerichtsverfahren gegen den Oppositionspolitiker Ousmane Sonko, einen der wichtigsten Kandidaten für die bevorstehende Präsidentschaftswahl. Seine Anhänger betrachteten das Verfahren als politischen Versuch, ihn aus dem Rennen zu nehmen.
Da der Prozess in Dakar stattfand und von Reisen in einzelne Gebiete abgeraten wurde, entschied ich mich, weiter in den Süden zu fahren. Dort bezog ich ein Airbnb mit Blick auf das Meer.
Es gibt schlechtere Orte, um politische Unruhen auszusitzen.
Für mich bedeuteten die nächsten Tage deshalb vor allem Ruhe. Weniger fahren, weniger organisieren und für einmal keinen neuen Grenzübergang, Busbahnhof oder Kontrollposten suchen. Nach drei Monaten unterwegs war die Batterie ziemlich leer. Der Blick auf den Atlantik half dabei, sie langsam wieder aufzuladen.
Dann kam das Urteil.
Sonko wurde vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen, in einem anderen Anklagepunkt jedoch zu zwei Jahren Haft verurteilt. Kurz darauf wurden aus Dakar und weiteren Städten gewalttätige Ausschreitungen gemeldet. Fahrzeuge und Gebäude brannten, Geschäfte und Banken wurden angegriffen und Sicherheitskräfte gingen gegen Demonstrierende vor.
An meinem Aufenthaltsort blieb es ruhig. Ich bekam von den Unruhen direkt nichts mit. Das Meer sah aus wie am Vortag, die Strassen waren friedlich und der Alltag ging scheinbar normal weiter.
Nur digital und finanziell wurde die Krise plötzlich spürbar.
Der Zugang zu sozialen Netzwerken wurde eingeschränkt. Gleichzeitig waren Banken und Bankomaten in meiner Umgebung geschlossen oder nicht verfügbar. Das ist grundsätzlich unangenehm, wird aber besonders unpraktisch, wenn man als Reisender Bargeld benötigt und die Landeswährung nicht vorsorglich unter der Matratze gelagert hat.
So sass ich also im Süden Senegals mit Meerblick, funktionierendem Airbnb und zunehmend begrenztem Zugang zu Geld.
Sicher war ich. Gut untergebracht ebenfalls.
Finanziell nur etwas analoger als geplant.
Die Situation zeigte erneut, wie schnell sich eine Reise verändern kann. Ein politisches Ereignis, das zunächst weit entfernt wirkt, beeinflusst plötzlich die Route, die Kommunikation und selbst die Frage, ob man am nächsten Tag noch Bargeld beziehen kann.
Mein Plan war deshalb vorerst einfach: bleiben, beobachten und nicht unnötig zurück nach Dakar fahren.
Nach 90 Tagen unterwegs war eine Pause ohnehin überfällig.
Dass gleichzeitig das halbe Land den Krisenmodus einschaltete, war allerdings nicht ganz die Art von Ruhe, die ich bestellt hatte.
Steckbrief
- Erlebnis
- Politische Unruhen in Dakar zwangen zum Rückzug in den Süden.
- Kontrast
- Meerblick und Ruhe im Airbnb, während in Dakar Supermärkte und Banken angegriffen wurden.
- Hinweis
- Bei politischen Spannungen vorsorglich Bargeld besorgen, bevor Banken schliessen.
- Was bleibt
- Manchmal braucht es Abstand und Ruhe, um die Reise-Batterie wieder aufzuladen.
- Bereist
- Mai 2023