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Robben Island – ein Ort, der schwer im Magen liegt

Eine Reise nach Robben Island ist keine normale Besichtigung.

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 7. September 2023 Aktualisiert am 21. Juli 2026 4 Min. Lesezeit

Südafrika | Robben Island – ein Ort, der schwer im Magen liegt | Beitragsbild
Reiseziel Südafrika
Vor Ort Besucht im September 2023

Eine Reise nach Robben Island ist keine normale Besichtigung. Sie fühlt sich eher an wie ein Gang in die Abgründe der Menschlichkeit – und gleichzeitig wie eine Erinnerung daran, wie viel Überlebenswille ein Mensch aufbringen kann.

Schon auf der Überfahrt liegt Kapstadt hinter einem, der Tafelberg wirkt fast friedlich, und vor einem erscheint diese flache, karge Insel. Robben Island sieht auf den ersten Blick unscheinbar aus. Fast harmlos. Genau das macht den Kontrast so heftig. Denn dieser Ort steht für Unrecht, Unterdrückung, Isolation und den langen Kampf gegen die Apartheid.

Bekannt ist Robben Island vor allem als der Ort, an dem Nelson Mandela 18 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte. In einer winzigen Zelle, unter harten Bedingungen, mit Zwangsarbeit im Kalksteinbruch und einem Alltag, der darauf ausgelegt war, Menschen zu brechen. Dass daraus nicht nur Verzweiflung, sondern Widerstand, Zusammenhalt und politische Stärke entstanden, ist kaum zu begreifen.

Aber die Geschichte der Insel reicht weit über Mandela hinaus. Über Jahrhunderte diente Robben Island als Ort des Exils, der Isolation und der Ausgrenzung. Erst unter niederländischer Kolonialherrschaft, später unter den Briten und schliesslich unter der südafrikanischen Apartheidregierung wurden Menschen hierhergebracht, die man nicht sehen, nicht hören und nicht im eigenen System haben wollte. Politische Gefangene, Rebellen, Kranke, Ausgestossene. Eine Insel für alle, die unbequem waren.

Und dann steht man dort.

Zwischen rauer Küstenlinie, Wind, Meer und karger Landschaft. Die Natur wirkt fast schön. Der Ozean schlägt gegen die Felsen, Vögel ziehen über die Insel, der Blick zurück nach Kapstadt ist beeindruckend. Aber diese Schönheit fühlt sich nicht leicht an. Sie steht in hartem Kontrast zu dem, was hier passiert ist. Als würde die Natur einfach weitermachen, während der Mensch wieder einmal bewiesen hat, wie grausam er sein kann.

Besonders eindrücklich war der Rundgang durch das Gefängnis. Unser Guide war ein ehemaliger politischer Gefangener. Das verändert alles. Man hört nicht einfach historische Fakten von jemandem, der sie auswendig gelernt hat. Man geht mit jemandem durch diese Gänge, der weiss, wie sich dieser Ort angefühlt hat.

Er führte uns vorbei an engen Zellen, erzählte von den spärlichen Rationen, der Arbeit im Kalksteinbruch und dem Alltag hinter Gittern. Von Regeln, Demütigungen, Angst – aber auch von Solidarität, Bildung und Widerstand. In diesen Zellen klammerten sich Menschen an Hoffnung, obwohl ihnen fast alles genommen wurde.

Die kleine Zelle von Nelson Mandela ist dabei natürlich einer der stärksten Momente. Man steht davor und sieht eigentlich fast nichts. Ein winziger Raum, eine dünne Matte, nackte Wände. Und trotzdem ist genau dieser Raum ein Symbol für etwas viel Grösseres geworden. Für Standhaftigkeit. Für Würde. Für die Weigerung, sich innerlich brechen zu lassen.

Robben Island ist deshalb kein Ort, den man einfach abhakt. Man schaut nicht kurz hinein, macht ein paar Fotos und geht weiter. Zumindest sollte man das nicht. Dieser Ort verlangt, dass man einen Moment stehen bleibt und versucht zu begreifen, was Menschen anderen Menschen antun können – und was Menschen trotzdem aushalten.

Als die Fähre mich später zurück zum Festland brachte, fühlte sich diese Rückfahrt seltsam an. Für mich war es eine kurze Überfahrt zurück nach Kapstadt. Für die Gefangenen war genau diese Entfernung jahrelang unüberwindbar. Das Festland war sichtbar und trotzdem unerreichbar.

Robben Island erinnert daran, dass Menschlichkeit unterdrückt werden kann, aber nicht einfach verschwindet. Sie bleibt wie ein kleiner Funken in der Dunkelheit. Und manchmal reicht genau dieser Funken, um irgendwann wieder Licht zu machen.

Wo das war

Steckbrief

Ort
Robben Island Village, Südafrika
Bereist
September 2023
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