Sepilok & Sandakan – zwischen Baumkronen, Bananen und der Ahnung, dass weniger mehr und mehr manchmal einfach zu viel ist.
Sepilok bietet echte Dschungelnähe mit Orang-Utans und Nasenaffen. Sandakan selbst ist unspektakulär, aber ehrlich.

Auf dem Weg von Kota Kinabalu nach Sepilok haben wir einen Zwischenstopp in Poring eingelegt – einem verschlafenen Dorf am Fusse des Mount Kinabalu, mit heissen Quellen, wackligem Hängebrückenspass und der grössten Blume der Welt (Rafflesia) – wenn sie sich mal blicken lässt. Die Luft ist für Tropenverhältnisse auch schon fast etwas kühl mit 30 Grad und Tropenbrise, der Empfang herzlich, die Unterkunft basic mit Dschungelsoundtrack. Ideal, um langsam vom Stadtmodus in den Tropenleerlauf zu wechseln.
Und nun willkommen in Sepilok, wo der Dschungel direkt ans Zimmer klopft oder der Ventilator leise gegen die Mücken kämpft – mit mässigem Erfolg, aber heldenhaftem Durchhaltewillen. Hier ist alles ein bisschen langsamer, ein bisschen feuchter, ein bisschen näher an „Zurück zur Natur“. Und mittendrin: haarige Mitbewohner mit mehr Persönlichkeit als so mancher Tourist. Kommt näher an das Bild von Borneo, das wir im Kopf haben.
Im Orang-Utan-Rehabilitationszentrum begegnet man nicht einfach Tieren – man wird Zeuge eines wilden, orangenen Turnfestivals mit Seilrutschen, Klettereinlagen und gelegentlichem Gegrunze. Die Jungtiere spielen wie in einem Tropenkindergarten auf Speed, balancieren wie Akrobaten und wirken dabei so zufrieden, dass man selbst fast vergisst, wie schnell die Zeit hier im Dschungel vergeht.
Das Zentrum liegt mitten im Urwald und gibt verwaisten oder verletzten Orang-Utans die Chance, zurück ins wilde Leben zu finden. Auf Fütterungsplattformen holen sie sich Früchte ab – wer will, sucht sie aber längst selbst im Dickicht. Kein Zoo, sondern ein Trainingslager mit Dschungelanschluss und echter Perspektive auf Freiheit.
Etwa 30 Minuten weiter: das Nasenaffen-Zentrum. Hier leben Wesen, bei denen man sich fragt, ob die Natur einfach mal experimentieren wollte – mit Riesennase, Gemütsbauch und dem grantigen Blick eines Kneipenphilosophen. Sie schwingen in Zeitlupe durchs Geäst, rupfen Blätter oder sich gegenseitig und mustern dich, als wärst du der Exot. Und je länger man sie beobachtet, desto klarer wird: Diese Tiere haben keine Eile, keine Agenda – und genau deshalb eine beneidenswerte Gelassenheit.
Und dann gibt es das oft unterschätzte Highlight: das Rainforest Discovery Centre (RDC). Hier spaziert man auf Hängebrücken durch die Baumkronen, hört den Dschungel atmen und sieht Vögel, die aussehen wie aus einer Fantasy-Serie entlaufen. Manchmal kreischen sie auch so.
Das RDC ist ruhig, schattig, lehrreich – und wahrscheinlich der einzige Ort, an dem man sich mit voller Überzeugung in einem Insektarium aufhalten möchte.
Und Sandakan? Die Stadt wirkt wie ein Ort, der mal viel erlebt hat – und sich jetzt ein bisschen ausruht. Nicht aufregend, nicht wirklich schön, aber ehrlich. Mit Hafenblick, charmant maroden Fassaden und genug Streetfood, um den Tag sinnvoll zu verbringen. Wer sich treiben lässt, wird belohnt – vielleicht nicht mit Postkartenmotiven, aber mit echtem Leben.
Steckbrief
- Ort
- Sandakan, Malaysia
- Erlebnis
- Orang-Utans beim Turnen zusehen und Nasenaffen mit Philosophenblick beobachten.
- Kontrast
- Dschungelnähe in Sepilok versus verschlafene Hafenstadt Sandakan.
- Tipp
- Das Rainforest Discovery Centre nicht auslassen – ruhig, schattig und mit Baumkronenperspektive.
- Was bleibt
- Die Gelassenheit der Nasenaffen und das Gefühl, dem Dschungel wirklich nahe gewesen zu sein.
- Bereist
- Juni 2025