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Xi’an – Geschichte, Mauerkilometer und sehr lange Nudeln

Xi'an ist bodenständig und historisch zugleich – die Stadtmauer per Velo, die Terrakotta Army und handgezogene Nudeln machen's aus.

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 8. April 2026 Aktualisiert am 20. Juli 2026 5 Min. Lesezeit

China | Xi’an – Geschichte, Mauerkilometer und sehr lange Nudeln | Beitragsbild
Reiseziel China
Vor Ort Besucht im April 2026

Xi’an merkt man ziemlich schnell an, dass hier früher einiges los war. Ehemalige Kaiserstadt, Ende der Seidenstrasse – die Geschichte ist nicht versteckt, sondern einfach da. Die Stadt wirkt insgesamt etwas bodenständiger als andere Orte in China. Weniger Hochglanz, mehr „wir sind schon lange hier“.

Ein Highlight war für uns die Stadtmauer – und zwar mit dem Velo einmal rundherum. Klingt entspannt, ist aber doch eine ganz schöne Strecke. Vor allem, wenn man auf Kopfsteinpflaster unterwegs ist und die Fahrräder auch schon bessere Tage gesehen haben. Man ruckelt also so vor sich hin, schaut über die Stadt und merkt irgendwann: das ist jetzt doch mehr Sport als gedacht. Aber definitiv lohnenswert.

Natürlich stand auch die Terrakotta Army auf dem Programm. Beeindruckend ist sie schon, allein wegen der Menge und dieser leicht grimmigen Ernsthaftigkeit, mit der einen Tausende Ton-Soldaten anschauen. Die Figuren stammen aus der Zeit des ersten Kaisers von China, Qin Shi Huang, und wurden vor über 2000 Jahren als Teil seiner Grabanlage erschaffen – eine ganze Armee für das Leben nach dem Tod. Jede Figur ist dabei individuell gestaltet, was das Ganze noch eindrücklicher macht. Entdeckt wurde die Anlage übrigens erst 1974 eher zufällig von Bauern beim Brunnenbau.
An unserem Tag waren es „nur“ 20’000 Besucher, was in China vermutlich schon fast als angenehm überschaubar gilt. Entsprechend war es voll, aber nicht völlig absurd. Man bewegt sich also mit der Menge durch die Hallen, schaut, nickt anerkennend und versucht sich vorzustellen, wie jemand auf die Idee kam, so viele Figuren einfach sicherheitshalber mal mit ins Jenseits zu nehmen.

Kulinarisch blieb uns Xi’an ebenfalls gut in Erinnerung. Viel Nudeln, und zwar gern breit und lang. Nicht diese ordentlichen kleinen Portionen, die man elegant isst, sondern eher die Sorte, bei der man kurz überlegen muss, ob man gerade eine Mahlzeit bestellt hat oder ein Textilprodukt. Sehr gut, sehr sättigend und genau die Art Essen, die man nach langen Besichtigungstagen gern hat.

Beim Lunch in einem kleinen Nudelrestaurant wurden wir – wie so oft – ziemlich genau beobachtet. Vor allem Kinder schauen einen hier gern mal länger an, einfach aus Neugier. Zwischendurch wird man auch immer wieder „unauffällig“ fotografiert oder gefilmt.
Dann kam ein kleiner Junge zu uns, mit dem Handy seines Vaters in der Hand, sichtlich stolz auf seine Mission. Über eine Übersetzungs-App fragte er: „Von welchem Land kommt ihr?“ Wir tippten „Schweiz“ zurück. Er schaute uns an, grinste, zuckte mit den Schultern – wohl noch nie gehört. Sein Vater sprang ein, zeigte ihm Bilder auf dem Handy und erklärte irgendwas dazu.
Am Ende standen wir zusammen da, haben gelacht und natürlich noch ein paar Fotos gemacht. So eine dieser Begegnungen, die komplett ungeplant passieren und einem länger bleiben als viele Sehenswürdigkeiten.

Was man in Xi’an auf jeden Fall auch gesehen haben muss, ist das muslimische Viertel. Dort ist plötzlich richtig Leben: enge Gassen, Marktstände, überall Essen und Stimmengewirr. Ganz anders als der sonst eher ruhige Eindruck der Stadt.

Mit unserem Hostel hatten wir auch dieses Mal ziemlich Glück. Modern, ein privates Zimmer und eine grosse, gemütliche Bar – perfekt, um nach einem langen Tag langsam runterzufahren. Dazu noch zentral gelegen, was vieles einfacher gemacht hat.

Xi’an hatte für uns damit eine gute Mischung aus grosser Geschichte, gutem Essen und einer Stadt, die sich einfach nicht gross anstrengen muss, um interessant zu sein. Nicht so entspannt wie Chengdu, nicht so anstrengend wie Chongqing – sondern irgendwo angenehm dazwischen.

Oder anders gesagt:
Zwischen alten Mauern, langen Nudeln und kleinen Begegnungen fühlt sich Xi’an ziemlich schnell gut an.

Facts zu Xi‘an:

🌏 Start der Seidenstrasse: Xi’an war früher der Ausgangspunkt der legendären Handelsroute bis nach Europa – quasi der originale „China–Europa-Connector“.

🧱 Massive Stadtmauer: Die Stadtmauer ist rund 14 km lang, komplett erhalten und eine der grössten ihrer Art weltweit – und man kann sie einfach mit dem Velo umrunden.

🗿 Einzigartige Armee: Die Terrakotta-Soldaten sehen sich nicht nur ähnlich – jede Figur hat eigene Gesichtszüge, Frisuren und Details.

⛏️ Zufallsfund: Entdeckt wurde die Terrakotta-Armee 1974 von Bauern beim Brunnenbau – eher ein unerwarteter Glückstreffer.

🍜 Nudelkunst: Viele Nudeln in Xi’an werden traditionell von Hand gezogen – oft meterlang.

🕌 Streetfood-Hotspot: Das muslimische Viertel gehört zu den bekanntesten Food-Spots Chinas – perfekt zum Durchprobieren.

🏯 Kaiserstadt: Xi’an war Hauptstadt von über 10 Dynastien und damit eine der historisch wichtigsten Städte Chinas.

📜 Früher Chang’an: Unter diesem Namen war Xi’an in der Antike eine der grössten und bedeutendsten Städte der Welt.

👥 „Klein“ für China: Mit rund 10+ Millionen Einwohnern gilt Xi’an dort eher als mittelgross.

📸 Tourismus-Magnet: Die Terrakotta-Armee zieht jährlich über 10 Mio. Besucher an. Der klare Grossteil davon sind chinesische Inlandstouristen – internationale Gäste machen nur einen einstelligen Prozentbereich aus.

🎥 Doku zum Schauen: https://youtu.be/v9z9E1mlWKk

Wo das war

Steckbrief

Ort
Xincheng District, China
Erlebnis
Die Stadtmauer per Velo umrunden – 14 km auf Kopfsteinpflaster, mehr Sport als erwartet.
Kontrast
Weniger Hochglanz als andere chinesische Städte, dafür bodenständiger und authentischer.
Tipp
Das muslimische Viertel für enge Gassen, Marktstände und richtig gutes Streetfood.
Was bleibt
Die ungeplante Begegnung mit dem kleinen Jungen, der die Schweiz noch nie gehört hatte.
Bereist
April 2026

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Fahrradtour auf der Stadtmauer?
Die Stadtmauer ist rund 14 km lang und komplett erhalten. Die Tour dauert je nach Tempo ein paar Stunden und ist auf Kopfsteinpflaster anstrengender als gedacht, lohnt sich aber definitiv.
Wie voll ist es bei der Terrakotta Army?
An normalen Tagen sind es etwa 20'000 Besucher – voll, aber für chinesische Verhältnisse noch überschaubar. Die meisten Besucher sind chinesische Inlandstouristen, internationale Gäste machen nur einen kleinen Teil aus.
Was macht das muslimische Viertel besonders?
Dort ist richtig Leben: enge Gassen, Marktstände, überall Essen und Stimmengewirr. Es ist einer der bekanntesten Food-Spots Chinas und bietet einen ganz anderen Kontrast zur sonst eher ruhigen Stadt.
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