Zum Inhalt springen

Dengfeng – Kung Fu, Muskelkater und der Shaolin-Tempel

Dengfeng ist mehr als Shaolin-Tourismus: Training mit Schülern zeigt, wie weit Vorstellung und Realität auseinanderliegen.

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 10. April 2026 Aktualisiert am 27. Juli 2026 4 Min. Lesezeit

China | Dengfeng – Kung Fu, Muskelkater und der Shaolin-Tempel | Beitragsbild
Reiseziel China
Vor Ort Besucht im April 2026
Schnellnavigation In dieser Geschichte

Dengfeng war einer dieser Orte, bei denen man schon vor der Ankunft ungefähr weiss, worum es geht: Kung Fu. Und zwar nicht als Filmkulisse, sondern als ernsthaftes Tagesprogramm.
Das Eindrücklichste war dabei nicht einmal das Training selbst, sondern zuerst die Schule. Ein älteres Gebäude, schlicht, zweckmässig, ohne viel Drumherum. Die Schüler wohnen dort in einfachen Mehrbettzimmern. Unten gibt es einen Innenhof, in dem trainiert oder gespielt wird, und oben eine Turnhalle mit offenen Fenstern, durch die Luft, Geräusche und manchmal auch einfach der Alltag hereinkommen. Alles wirkt eher nüchtern als romantisch. Mehr Internat als Legende.
Hier leben und trainieren Kinder und Jugendliche zwischen etwa 8 und 18 Jahren. Ihr Alltag ist ziemlich klar getaktet: morgens erst eine Stunde Sport, dann Frühstück, danach normaler Unterricht mit Fächern wie Mathe, Chinesisch und Englisch. Nach dem Mittagessen geht es wieder zurück ins Training – und das bis zum Abendessen. Im Grunde eine Mischung aus Internat und Sportschule. Nur dass der Sport hier nicht Fussball oder Leichtathletik ist, sondern eben Kung Fu.
Das Beste daran war, dass wir nicht nur zuschauten, sondern selbst mit den Schülern trainierten. Und spätestens da merkt man schnell: Von aussen sieht vieles kontrolliert, elegant und fast leicht aus. Sobald man es selbst versucht, bleibt davon vor allem kontrolliert übrig. Elegant eher weniger.
Es wurde gedehnt, gestanden, getreten, wiederholt. Bewegungen, die bei den Schülern völlig selbstverständlich aussahen, wirkten bei uns eher nach einer Mischung aus guter Absicht und leichter Überforderung. Aber genau das machte es gut. Man war nicht einfach Zuschauer, sondern mittendrin. Und man bekam zumindest eine kleine Ahnung davon, wie viel Disziplin, Wiederholung und Körperbeherrschung hinter dem Ganzen steckt.
Die Schüler selbst wirkten dabei fast irritierend fokussiert. Während wir schon damit beschäftigt waren, Arme und Beine halbwegs sinnvoll zu koordinieren, lief bei ihnen alles mit einer Präzision ab, die wenig Spielraum für Ausreden liess.
Am nächsten Tag ging es dann zum Shaolin-Tempel. Einer dieser Orte, die man schon so oft irgendwo gesehen oder gehört hat, dass man fast erwartet, leicht immun dagegen zu sein. War dann aber nicht so. Der Tempel selbst, die Anlage, die Atmosphäre, dazu die ganze Geschichte rundherum – das hat schon Gewicht. Natürlich ist man dort nicht allein, natürlich ist es touristisch. Aber der Ort funktioniert trotzdem.
Danach noch etwas Aussicht, ein bisschen mehr stehen als schwitzen, und nach dem Training vom Vortag fühlte sich das fast schon wie ein Erholungstag an.

Schulalltag und Training

So wurde Dengfeng für uns mehr als nur ein Ort mit berühmtem Namen. Nicht einfach nur Shaolin abhaken und weiter, sondern erst selbst kurz merken, wie weit die eigene Vorstellung von Kung Fu und die Realität auseinanderliegen – und danach genau dort stehen, wo diese ganze Geschichte ihren Ursprung haben soll.
Oder anders gesagt:
Es sieht deutlich einfacher aus, wenn es andere machen.

Bergfahrt und Aussicht

Nach dem Tempel ging es noch in die Berge, mit der Seilbahn hoch. Wir erwarteten vor allem eines: Ausblick und ein bisschen Ruhe. Der Ausblick kam auch – und zwar in dieser Sorte von «okay, das ist schon ziemlich beeindruckend», bei der man zuerst einfach nur still dasteht. Weite, Berge, alles ein bisschen dramatisch schön.

Pfad an der Felswand

Die Ruhe dagegen war eher Theorie. Oben war deutlich mehr los als gedacht, und der Weg entlang der Felswand war eher eine Art Einbahnstrasse mit vielen Leuten. Man durfte auf einem schmal angelegten Pfad an der Steilwand entlanglaufen, immer schön in der Reihe, immer schön weiter. Viel Platz für eigene Gedanken blieb nicht, ausser vielleicht der kurzen Erinnerung, dass man besser nicht zu lange nach unten schaut. Den Abgrund hat man eher so nebenbei akzeptiert.

Danach ging es zurück nach Hause. Ein ruhiger Abend, vielleicht eine Tasse Tee auf dem Dach, während sich der Tag langsam gesetzt hat. Und trotzdem war da noch alles präsent: das Training, die Schüler, die Disziplin – und jetzt eben noch diese Mischung aus Höhe, Menschenmenge und Aussicht. Alles zusammen hat sich ein bisschen angefühlt wie ein Nachhall von diesem Ort, der irgendwie mehr Energie hatte, als man ihm auf den ersten Blick zutrauen würde.

Wo das war

Steckbrief

Ort
Dengfeng, China
Erlebnis
Mittrainieren mit Kung-Fu-Schülern in einer echten Sportschule, nicht nur zuschauen.
Kontrast
Von aussen sieht Kung Fu elegant aus, beim Selbstversuch bleibt vor allem Muskelkater.
Tipp
Das Training in der Schule ist authentischer als der touristische Tempel.
Was bleibt
Die Disziplin und Präzision der Schüler, und die eigene Ungeschicklichkeit dabei.
Bereist
April 2026

Häufige Fragen

Wie läuft ein typischer Tag in der Kung-Fu-Schule ab?
Morgens eine Stunde Sport, dann Frühstück, danach normaler Unterricht mit Fächern wie Mathe, Chinesisch und Englisch. Nach dem Mittagessen wird bis zum Abendessen trainiert.
Kann man als Besucher selbst am Training teilnehmen?
Ja, man trainiert direkt mit den Schülern. Dabei merkt man schnell, dass die Bewegungen deutlich schwieriger sind als sie aussehen – Muskelkater inklusive.
Ist der Shaolin-Tempel den Besuch wert trotz Touristen?
Ja, der Ort funktioniert trotz touristischem Betrieb. Die Anlage, Atmosphäre und Geschichte haben Gewicht, auch wenn man nicht allein dort ist.
Geschichte teilen