Autofahren in Rumänien – zu schnell und trotzdem zu langsam
Rumänien hat die höchste Unfallrate der EU – riskantes Überholen ist Alltag, defensive Fahrweise Pflicht.

Autofahren in Rumänien ist speziell. Die Landschaft ist schön, die Dörfer sind spannend, die Strassen führen oft durch richtig schöne Gegenden. Und dann kommt von hinten jemand angeflogen, der offenbar gerade um die letzte freie Pole-Position kämpft.
Viele Fahrer wirken, als hätten sie innerlich immer ein Rennen laufen. Überholen im Dorf mit 80? Scheint normal. Fährt man selber schon 10 km/h zu schnell, ist man trotzdem noch ein Verkehrshindernis. Dann wird überholt. Egal ob Kurve, Hügel, Dorf, Gegenverkehr oder philosophische Zweifel. Hauptsache vorbei.
Am Anfang wirkt das fast noch absurd-lustig. Bis man sich die Unfallstatistik anschaut. Rumänien gehört bei Verkehrstoten zu den traurigen Spitzenreitern in der EU. Und plötzlich fühlt sich das Ganze nicht mehr nur nach «die fahren halt etwas wild» an, sondern nach einem echten Problem.
Die negative Seite daran merkt man schnell. In vielen Dörfern sitzen alte Leute am Strassenrand, Kinder laufen herum, Hunde stehen irgendwo halb auf der Fahrbahn, Pferdewagen tauchen auf, und trotzdem wird gefahren, als wäre das alles nur Dekoration. Das macht die schönen Strecken manchmal stressiger, als sie sein müssten.
Vor allem mit einem älteren T4, der nicht genau dafür gebaut wurde, sich wie ein Sportwagen durch rumänische Dörfer drücken zu lassen, bleibt man lieber defensiv. Rechts fahren, ruhig bleiben, die Eiligen vorbei lassen und nicht persönlich nehmen, dass man offenbar für manche nur ein bewegliches Hindernis ist.
Dazu kommen Schlaglöcher, enge Strassen, unklare Vorfahrten und immer wieder Fahrzeuge, die aus dem Nichts auftauchen. Rumänien ist kein Land, in dem man beim Fahren komplett abschaltet. Man schaut nach vorne, nach hinten, zur Seite und manchmal auch kurz in den Himmel, weil dort wenigstens gerade niemand überholt.
Trotzdem gewöhnt man sich mit der Zeit daran. Nicht, weil es gut ist, sondern weil man unterwegs irgendwann lernen muss, mit dem lokalen Chaos umzugehen. Rumänischer Verkehr kurz zusammengefasst: Man fährt zu schnell und ist trotzdem zu langsam.
Und dann die Polizeikontrollen. In den ersten drei Tagen wurden wir fünfmal angehalten und kontrolliert und einmal am Abend auf dem Stellplatz. Führerausweis, Fahrzeugpapiere, kurzer Blick ins Auto, manchmal ein paar Fragen.
Klingt erst einmal nervig, war aber jedes Mal völlig entspannt. Die Polizisten waren freundlich, korrekt und meistens nach wenigen Minuten wieder zufrieden. Keine Diskussionen, kein unangenehmes Gefühl, einfach Kontrolle und weiter.
Nach dem dritten Mal fragt man sich zwar schon kurz, ob der grüne T4 irgendwie besonders verdächtig aussieht. Aber offenbar gehört das hier einfach dazu. Rumänien eben: Man wird schnell überholt, aber immerhin auch freundlich kontrolliert.
Steckbrief
- Erlebnis
- Defensive Fahrweise im chaotischen rumänischen Verkehr mit häufigen Polizeikontrollen
- Kontrast
- Schöne Landschaft trifft auf riskantes Fahrverhalten und EU-Spitzenplatz bei Verkehrstoten
- Hinweis
- Rechts fahren, ruhig bleiben, die Eiligen vorbeilassen und nicht persönlich nehmen
- Was bleibt
- Man gewöhnt sich ans Chaos, weil man unterwegs lernen muss, damit umzugehen
- Bereist
- Juni 2026