Fazit Rumänien – wilde Strassen, gute Plätze und ein grüner T4
Rumänien überraschte mit wilden Stellplätzen und Kontrasten – chaotisch, authentisch und selten langweilig.

Rumänien war für uns deutlich besser, als wir es vorher so richtig einschätzen konnten. Kein Land, das sich einem perfekt sortiert präsentiert. Eher eines, das unterwegs ständig etwas Neues aus dem Ärmel zieht: Flussplätze, wilde Strassen, Holzkirchen, Schlösser, Salzminen, Störche auf Dächern, alte Menschen am Strassenrand und Autofahrer, die offenbar alle noch einen privaten Formel-1-Vertrag erfüllen müssen.
Gestartet sind wir in Bukarest, einer Stadt mit viel Beton, viel Verkehr und genug Charakter, um nicht langweilig zu sein. Danach wurde unser grüner T4 übernommen und Rumänien begann eigentlich erst richtig. Erster Platz direkt am Olt River, ganz allein am Fluss. Schon da dachten wir: Ja, das könnte gut werden.
Und es wurde gut. Richtung Dubova, Mann im Fels, Donau, Dörfer, Corvin Castle von aussen, ein Top-Platz bei Baita, Oradea am Fluss, dann hoch in den Norden bis fast an die ukrainische Grenze. Die grosse Holzkirche in Sapanta, der lustige Friedhof, Breb am kleinen See – alles Orte, die einem im Gedächtnis bleiben.
Rumänien ist aber nicht nur schön und gemütlich. Die Strassen können wild sein, und der Verkehr ist stellenweise wirklich unangenehm. Wenn man schon 10 km/h zu schnell fährt und trotzdem überholt wird, als wäre man ein Traktor mit Motorschaden, weiss man ungefähr, wie das hier läuft. Dazu fünf Polizeikontrollen in drei Tagen. Immer freundlich, immer korrekt, aber irgendwann fragt man sich schon, ob der grüne T4 besonders verdächtig oder einfach besonders fotogen war.
Cluj war dann eine willkommene Hotelpause. Dusche, Bett, Stadtluft. Danach ging es weiter mit dem üblichen Rumänien-Mix: eine versunkene Kirche, die wir nicht fanden, eine abenteuerliche Anfahrt, ein eigentlich perfekter Platz an einer Schlucht, bis sich ein Wohnmobil zwei Meter neben uns stellte, obwohl rundherum genug Platz für ein kleines Festival gewesen wäre. Also Flucht. Ein paar hundert Meter weiter war die Welt wieder in Ordnung.
Salina Turda war dann eines dieser Dinge, die man vorher schwer erklären kann. Eine Salzmine mit Riesenrad, Booten und Freizeitpark-Gefühl unter der Erde. Klingt seltsam, ist seltsam, ist aber ziemloch eindrücklich. Genau wie Sibiu und Sighisoara, die zeigten, dass Rumänien auch richtig schöne Altstädte kann. Kopfsteinpflaster, bunte Häuser, Türme und genug Mittelaltergefühl, um kurz zu vergessen, dass draussen irgendwo wieder jemand im Dorf mit 80 überholt.
Natürlich gehörten auch die Schlösser dazu. Bran gefiel uns besser als erwartet: verwinkelt, atmosphärisch, touristisch, aber irgendwie passend. Peles war schön, keine Frage, aber auch zu teuer. Manchmal gewinnt eben nicht das Märchenschloss mit Budget, sondern die etwas schrägere Dracula-Burg mit Souvenirwahnsinn.
Dann kamen noch die Schlammvulkane, ein Regentag und irgendwann die Rückgabe unseres grünen T4. Nach Flussplätzen, Dörfern, Schluchten, wilden Fahrten und vielen kleinen Momenten war das schon ein kleiner Abschied. Danach noch Public Viewing mit Schweizer Match – plötzlich wieder Schweiz-Gefühl mitten in Bukarest. Auch nicht die schlechteste Art, Rumänien abzuschliessen.
Rumänien war für uns kein perfektes Hochglanz-Reiseland. Und genau deshalb war es spannend. Manchmal schön, manchmal chaotisch, manchmal anstrengend, oft überraschend und fast nie langweilig. Ein Land mit viel Natur, viel Geschichte, viel Improvisation und erstaunlich vielen guten wilden Stellplätzen.
Steckbrief
- Erlebnis
- Mit grünem T4 von Bukarest über Donau, Schlösser und Holzkirchen bis zur ukrainischen Grenze.
- Kontrast
- Idyllische Flussplätze neben chaotischem Verkehr und aggressiven Überholmanövern.
- Hinweis
- Wilde Stellplätze am Olt River oder bei Baita suchen – oft allein, direkt am Wasser.
- Was bleibt
- Die Mischung aus Natur, Improvisation und Momenten, die im Gedächtnis bleiben.
- Bereist
- Juni 2026