Cairns verlassen – Trim, Papaya und ein Krokodil von biblischen Ausmassen
Manche Reisetage fühlen sich eher wie ein Outdoor-Selbstversuch an.

Manche Reisetage fühlen sich eher wie ein Outdoor-Selbstversuch an.
Der Himmel über den Millstream Falls war grau (Wasserfälle? Fehlanzeige).
Marcel war heute eher das wandelnde Wolkenchaos – leicht mürrisch und mit wenig Aussicht auf Sonnenschein. Tanja kommunizierte mit der Stille eines stillen Sees – tiefgründig, aber wortkarg.
Trim McMudflap kämpfte sich derweil tapfer durch den Matsch, als hätte er schon Schlimmeres erlebt.
Übernachtet haben wir irgendwo am Strassenrand bei den Millstream Falls – ohne die Wasserfälle tatsächlich zu sehen. Es regnete nämlich. Und ungewöhnlich kalt. 8 Grad in der Nacht und ein garstiger Wind machen Campen eher zum ungemütlichen Vergnügen.
Aber dann: ein Wunder. Oder zumindest das australische Pendant dazu.
Gratis Papaya – serviert zum Kaffee im The Hidden Gem Café.
Mitten im Nirgendwo, wo man höchstens ein verwelktes Sandwich erwartet hätte, bekamen wir Frühstück und Freundlichkeit. Und damit die Laune zurück.
Nächster Lichtblick: die Talaroo Hot Springs.
Eine Tour durch dampfende Geschichte, begleitet von Geschichten des Aboriginal-Guides. Am nächsten Morgen dann das Beste: ein Bad im heissen Quellbecken, umgeben von rotem Staub, Eukalyptusduft – und einem leicht gegrillten Marcel. Wellness für Fortgeschrittene.
Heisses Wasser kann viel – vor allem bei durchgeweichten Gemütern.
Bevor es nach Karumba ging, übernachteten wir auf einem kleinen Campingplatz direkt am See, irgendwo bei Normanton.
Idyllisch. Ruhig. Vogelgezwitscher deluxe.
Nur: besser nicht schwimmen.
„Krokodile“, sagte der Besitzer beiläufig, während er den Rasen mähte.
Also blieben wir an Land – und schauten zu, wie Reiher, Pelikane und Kakadus ihre eigene Abendshow veranstalteten.
Auf dem Weg zur Küste wartete dann Marcels persönlicher Höhepunkt:
Ein Stopp beim grössten jemals geschossenen Krokodil Australiens – 8,63 Meter Kiefer und Mythos, festgehalten in einem hölzernen Denkmal.
Marcel war selig, schoss mindestens zehn Fotos, sprach von „Meisterwerk der Natur“ und „legitimer Gottesanbeter“.
Tanja betrachtete das Spektakel mit schräg gelegtem Kopf und einem Blick, der irgendwo zwischen ungläubig, amüsiert und „Ernsthaft jetzt?“ pendelte – ganz ohne ein Wort zu verlieren.
Dann: Karumba.
Das Ende der Strasse – und der Anfang von salziger Luft, kaltem Bier und erstaunlich gutem Fisch. Der Sonnenuntergang ist hier quasi Pflichtprogramm, idealerweise vom Biergarten des grossen Pubs aus, wo die Aussicht mit jeder Runde besser wird.
Wer direkt nach dem Untergang abzieht, verpasst allerdings das wahre Spektakel: Rund 40 Minuten später dreht der Himmel noch mal richtig auf – als hätte jemand den „Postkartenfilter“ aktiviert.
War’s die lange Fahrt wert? Allein für diesen Himmel, ja. Das Bier war ein Bonus.

Praktisches
- Anfahrt
- Von Cairns über Millstream Falls, Talaroo Hot Springs, Normanton nach Karumba
- Kostenrahmen
- Gratis Papaya im The Hidden Gem Café, kaltes Bier und Fisch in Karumba
- Fahrzeug
- Trim McMudflap (Camper)
Steckbrief
- Erlebnis
- Bad in heissen Quellen, Sonnenuntergang in Karumba und ein Krokodil-Denkmal von biblischen Ausmassen
- Kontrast
- Von 8 Grad Kälte und Regen zu dampfenden Hot Springs und Sonnenuntergängen am Golf
- Hinweis
- In Karumba 40 Minuten nach Sonnenuntergang bleiben – dann dreht der Himmel noch mal richtig auf
- Was bleibt
- Gratis Papaya im Nirgendwo und die Erkenntnis, dass heisses Wasser durchgeweichte Gemüter heilt
- Bereist
- August 2025