Devil’s Pool – Der verrückteste Infinity-Pool der Welt
Der verrückteste Infinity-Pool der Welt

Es gibt Ideen, bei denen man schon beim Aussprechen merkt, dass sie nicht besonders vernünftig sind. Meine klang ungefähr so: Am Rand eines Wasserfalls schwimmen. Hundert Meter freier Fall. Ein Guide hält meine Füsse fest.
Ich bin trotzdem hingegangen.
Der Devil’s Pool liegt dort, wo der Sambesi einfach aufhört und die Victoriafälle beginnen. Kein Geländer, kein Sicherheitsnetz, kein wirklich gutes Argument dagegen – ausser dem eigenen Kopf. Auf Fotos wirkt das Ganze wie ein spektakulärer Infinity-Pool. Vor Ort fühlt es sich eher an wie ein Missverständnis zwischen Natur und menschlicher Neugier.
Der Weg dorthin ist kein Spaziergang. Zuerst das Boot nach Livingstone Island. Kurz, unscheinbar, bis man realisiert, wie nah diese Insel tatsächlich am Abgrund liegt. Danach schwimme ich ein Stück durch den Sambesi. Ein Fluss mit Strömung, Geschichte und einem Ruf, der nicht unbedingt beruhigt. Der Guide versichert mir, dass Krokodile „normalerweise woanders“ sind. Normalerweise ist ein dehnbarer Begriff.
Nach dem Schwimmen geht es über nasse Felsen. Nichts Dramatisches, aber genug, um die Frage aufkommen zu lassen, warum ich das gerade mache. Dann liegt er vor mir: der Pool. Klein, unscheinbar, fast enttäuschend – bis man sieht, was hinter der Kante passiert. Oder besser gesagt: was dort nicht mehr passiert.
Im Wasser spüre ich die Strömung. Nicht stark, aber konstant. Präsenter als mir lieb ist. Der Guide greift meine Füsse, ich rutsche langsam nach vorne, der Kopf nähert sich dem Rand. Und plötzlich hängt alles offen vor mir. Der Fall. Der Lärm. Die Gischt tief unten. Hundert Meter Leere.
Der Körper ist ruhig, der Kopf nicht. Für ein paar Sekunden gibt es nur eine Frage: Warum?
Und dann, überraschend schnell, eine andere Erkenntnis: Es ist tatsächlich sicher. Nicht gefühlt sicher – sondern technisch, nüchtern, durchdacht sicher. Eine natürliche Felskante hält mich im Pool, der Guide weiss exakt, wo er stehen muss, und ich liege da, am Rand eines der grössten Wasserfälle der Welt, ohne sofort zu sterben. Das allein reicht, um grinsen zu müssen.
Als wäre die Situation nicht absurd genug, kommen noch die Fische. Kleine, neugierige Spa-Therapeuten, die anfangen, an meinen Füssen zu knabbern. Pediküre über dem Abgrund. Ich lache mehr, als mir lieb ist.
Die Frage nach der Sicherheit stellt sich danach fast automatisch. Offiziell gab es hier keine Todesfälle während regulärer Touren. Das Risiko liegt weniger im Pool selbst als auf dem Weg dorthin. Der Sambesi entscheidet immer mit, und das merkt man. Trotzdem fühlt sich nichts leichtsinnig an – eher kontrolliert, mit sehr klaren Grenzen.
Billig ist das Ganze nicht. Auch das gehört zur Wahrheit. Man zahlt für den Zugang, den Guide, das Boot, das Essen und für das Privileg, kurz an einem Ort zu sein, an dem man eigentlich nicht liegen sollte. Eine der Touren nennt sich „High Tea“, serviert aber keinen Tee. Das passt irgendwie ins Gesamtbild.
Der Devil’s Pool ist nur ein paar Monate im Jahr zugänglich. Wenn der Wasserstand steigt, verschwindet diese Möglichkeit wieder. Und vielleicht ist genau das richtig so. Nicht alles muss jederzeit verfügbar sein.
Am Ende bleibt kein Adrenalinrausch und kein Heldengefühl. Eher eine stille Zufriedenheit. Ich war dort, wo die Grenze zwischen Neugier und Vernunft sehr schmal wird. Ich habe drübergeschaut – und bin dann wieder zurückgeklettert.
Mehr braucht es eigentlich nicht.
Infobox
Devil’s Pool – Kontext
Ort: Victoriafälle, Grenze Sambia / Simbabwe
Zugang: nur über geführte Tour ab Livingstone Island
Zeitraum: bei niedrigem Wasserstand (meist August–Dezember)
Dauer vor Ort: ca. 30–45 Minuten
Sicherheit: natürliche Felskante, permanente Begleitung durch Guides
Preisniveau (2021): hoch
Frühstückstour: 115 USD Mittagstour: 180 USD High Tea Tour: 155 USD
Überraschung: kleine Fische, die an den Füssen knabbern