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Yangshuo – Bilderbuch-China mit Frosch, Bambus und etwas zu viel Schönheit

Yangshuo ist so schön, dass es fast verdächtig wirkt – Karstberge, Flüsse und eine Kulisse, die keine Zurückhaltung kennt.

Von Marcel & Tanja Veröffentlicht am 31. März 2026 Aktualisiert am 20. Juli 2026 7 Min. Lesezeit

China | Yangshuo – Bilderbuch-China mit Frosch, Bambus und etwas zu viel Schönheit | Beitragsbild
Reiseziel China
Vor Ort Besucht im März 2026

Am nächsten Morgen geht alles ziemlich schnell. Früh raus, Sachen packen, Richtung Bahnhof.

Wir starten die Reise bewusst in einer Gruppe – zwei Wochen organisiert unterwegs, bevor wir danach alleine weiterziehen. Ein Vorteil: Als Schweizer kann man aktuell bis zu 30 Tage visafrei in China bleiben, was das Ganze angenehm unkompliziert macht.

Von Hong Kong nehmen wir den Zug nach Guilin. Modern, sauber, effizient. China zeigt sich direkt von seiner organisierten Seite. Die Fahrt zieht vorbei ohne grosses Highlight draussen. Viel Landschaft, viel Grün, aber der Fokus liegt eher darauf, einfach anzukommen.

In Guilin hehts direkt mit dem Bus weiter nach Yangshuo. Noch einmal ein Stück unterwegs, dann verändert sich die Umgebung langsam. Die ersten Karstberge tauchen auf. Diese spitzen, fast unrealistisch wirkenden Felsen stehen plötzlich überall in der Landschaft. Genau die Bilder, die man aus China kennt und bei denen man sich fragt, ob das Land nicht vielleicht einfach bessere Landschaftsarchitekten hatte als alle anderen.

Am Nachmittag kommen wir in Yangshuo an. Einchecken, kurz durchschnaufen, vielleicht eine Dusche – und dann direkt wieder raus. Hunger ist da. Am Abend gehen wir essen. Viel Auswahl, viele Restaurants, alles ziemlich auf Reisende ausgelegt. Danach noch ein kurzer Spaziergang durch die Stadt. Lichter, Bars, Musik, viele Leute. Yangshuo wirkt lebendig, fast ein bisschen wie eine kleine Backpacker-Hochburg – nur mit deutlich spektakulärerer Kulisse.

Nach dem langen Reisetag bleibt es bei einem kurzen Rundgang. Morgen ist dann Zeit, sich das Ganze genauer anzuschauen.

Und Yangshuo ist tatsächlich eine ganz eigene Art von China. Weniger Grossstadt, mehr Bilderbuch. Karstberge, Flüsse, sattes Grün – eine Landschaft, die gar nicht erst versucht, dezent zu sein.

Während dieser Tage sind wir mit Mulan unterwegs, einer einheimischen Guide, flippig, lustig, unkompliziert und genau die richtige Mischung aus organisiert und angenehm chaotisch. So jemand, bei dem man das Gefühl hat, dass sie selbst genauso viel Spass an der Gegend hat wie die Leute, die sie herumführt. Das hilft.

Ein besonders guter Tag beginnt mit dem Marktbesuch vor dem Kochkurs. Dort sieht man nicht nur Gemüse, Kräuter und Gewürze, sondern auch Dinge, bei denen westliche Reisende kurz innerlich stolpern. Frösche, Hundefleisch, allerlei Tiere, die hier schlicht Teil des normalen Marktbilds sind. Nicht inszeniert, nicht provokativ, einfach Alltag. Genau deshalb wirkt es auch eindrücklicher als jede grosse kulturelle Erklärung. Man läuft durch, schaut, versucht nicht allzu touristisch überrascht auszusehen und merkt einmal mehr: China erklärt sich selten, es macht einfach.

Danach geht es weiter in den Kochkurs. Schneiden, braten, würzen, alles mit mehr Öl und mehr Tempo, als man es zu Hause vermutlich jemals freiwillig machen würde. Am Ende stehen vier Gerichte auf dem Tisch, alles selbst gekocht und erstaunlich gut. Vielleicht auch, weil man weiss, was drin ist. Oder weil in China fast alles besser schmeckt, sobald genug Knoblauch, Hitze und Selbstvertrauen im Spiel sind. Man sitzt zusammen, probiert, lacht ein bisschen über die eigenen Versuche und merkt, dass genau solche Programmpunkte oft besser sind als alles, was im Voraus nach Highlight klingt.

Danach wird es wieder ruhiger. Beim Bamboo Rafting sitzt man im Grunde auf einem Bambusfloss und lässt sich durch eine Kulisse treiben, die so schön ist, dass sie fast unhöflich wirkt. Karstberge links und rechts, ruhiges Wasser, sehr wenig Eigenleistung. Es ist die Art Aktivität, bei der man am Ende gern so tut, als hätte man etwas geleistet, obwohl man die meiste Zeit einfach gesessen und geschaut hat. Aber genau dafür war es perfekt.

Ein paar Tage später tauschen wir das passive Treiben dann gegen ein bisschen mehr Eigenarbeit ein – und steigen ins Kajak auf dem Li River. Ein ruhiger Fluss, kaum Strömung, genau richtig, um einfach loszupaddeln. Gut eine Stunde geht es flussabwärts, gleichmässig, ohne Eile. Es hat fast etwas Meditatives: das leise Plätschern des Wassers, die langsamen Bewegungen, und rundherum wieder diese fast schon übertrieben schöne Kulisse aus Karstbergen. Kein Lärm, kein Stress, einfach treiben lassen – nur diesmal mit Paddel in der Hand. Einer dieser Momente, bei denen man merkt, wie wenig es manchmal braucht, damit sich etwas richtig gut anfühlt.

An einem anderen Tag steigen wir aufs Velo und fahren durch die Umgebung. Vorbei an Feldern, kleinen Wegen und Dörfern, immer mit diesen völlig übertrieben schönen Bergen im Hintergrund. Selbst eine einfache Pause am Strassenrand sieht hier aus, als hätte jemand sie für einen Reisekatalog aufgebaut. Schön, aber auf eine Art, die fast ein bisschen verdächtig ist.

Besonders gut in Erinnerung bleibt uns auch der Ausflug in ein abgelegenes Dorf. Bevor wir dort essen, fahren wir erst noch zu einer Orangenplantage in den Bergen. Wieder so ein Ort, an dem man merkt, wie grün und ruhig diese Gegend eigentlich ist, sobald man nur ein wenig aus dem touristischen Zentrum rauskommt. Danach geht es weiter zur Familie, bei der wir essen. Kein grosses Spektakel, keine schlecht getarnte „authentische Erfahrung“, sondern einfach ein ruhiger Ort, gutes Essen und dieses angenehme Gefühl, mal nicht schon wieder zwischen Souvenirshops und Selfiesticks zu sitzen.

Am Abend gibt es dann oft wieder Essen mit der Gruppe. Runder Tisch, viele Gerichte in der Mitte, alle greifen irgendwo rein, es ist laut, lebendig und leicht chaotisch. Also ziemlich genau so, wie Essen in einer Gruppe sein sollte.

Und kurz vor dem Schlafen gehen kommt dann noch das Cupping. Man legt sich hin, ein paar Minuten später stehen kleine Gläser auf dem Rücken. Unterdruck, der die Haut nach oben zieht. Fühlt sich zuerst ungewohnt an, dann irgendwie okay. Bis man danach in den Spiegel schaut. Runde, dunkle Abdrücke überall. Es sieht aus, als hätte man einen Streit mit einem Oktopus verloren. Soll gut sein für die Durchblutung. Wir nehmen das jetzt einfach mal so hin und schlafen danach erstaunlich gut.

Das eigentliche Spektakel hebt sich Yangshuo aber für den Abend auf: die Lichtshow.
Tagsüber sitzt man noch gemütlich auf dem Velo oder dem Bambusfloss, und ein paar Stunden später findet man sich plötzlich in einer chinesischen Grossinszenierung wieder, bei der offenbar niemand die Idee hatte, es eventuell auch eine Nummer kleiner zu versuchen. Berge, Wasser, Licht, Musik, unzählige Darsteller, sehr viel Pathos. Alles ein bisschen drüber – aber genau deshalb auch grossartig. So eine Show würde man in Europa wahrscheinlich sofort als „too much“ abtun. In China denkt man sich eher: ja, richtig so, und bitte noch etwas mehr Nebelmaschine.

Gerade weil die Landschaft ohnehin schon wirkt wie eine übertriebene Kulisse, funktioniert das erstaunlich gut. Die Berge im Hintergrund, das Wasser, die Beleuchtung – alles zusammen ist völlig überinszeniert und trotzdem eindrücklich. Oder vielleicht gerade deshalb.

Am Ende war Yangshuo für uns eine ziemlich gute Mischung aus Natur, Essen, Bewegung und leicht übertriebener Abendunterhaltung. Also eigentlich genau das, was man sich auf Reisen gern einredet zu suchen – und hier ausnahmsweise auch wirklich bekommt.

Und abends fällt man dann ziemlich zuverlässig müde ins Bett. Nicht, weil es besonders anstrengend gewesen wäre. Sondern weil selbst entspanntes Herumtreiben erstaunlich ermüdend werden kann, wenn die Landschaft dabei ununterbrochen versucht, schöner zu sein als nötig.

Praktisches

Anfahrt
Zug von Hong Kong nach Guilin, dann Bus nach Yangshuo
Fahrzeug
Zug und Bus
Zeitbedarf
Mehrere Tage

Wo das war

Steckbrief

Ort
Yangshuo, China
Erlebnis
Kajakfahren auf dem Li River, Bamboo Rafting und eine chinesische Grossinszenierung am Abend
Kontrast
Vom traditionellen Markt mit Frosch und Hundefleisch zur perfekt inszenierten Lichtshow
Tipp
Besuch in einem abgelegenen Dorf mit Orangenplantage statt nur touristisches Zentrum
Was bleibt
Eine Landschaft, die so schön ist, dass sie fast unhöflich wirkt
Bereist
März 2026

Häufige Fragen

Brauche ich als Schweizer ein Visum für China?
Nein, aktuell können Schweizer bis zu 30 Tage visafrei in China bleiben, was die Einreise unkompliziert macht.
Wie komme ich von Hong Kong nach Yangshuo?
Mit dem Zug von Hong Kong nach Guilin und von dort weiter mit dem Bus nach Yangshuo. Die Verbindungen sind modern und effizient.
Was kann man auf dem Markt in Yangshuo sehen?
Neben Gemüse, Kräutern und Gewürzen gibt es auch Frösche, Hundefleisch und andere Tiere, die zum normalen chinesischen Marktbild gehören – nichts Inszeniertes, einfach Alltag.
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