Nouakchott ist eine Stadt des Widerspruchs.
Nouakchott ist extrem schmutzig, aber der Fischereihafen und Kamelmarkt zeigen eine lebendige, jahrhundertealte Kultur.

Auf der einen Seite gibt es eine immense Schönheit, die in der lebhaften Kultur und den engagierten und externen freundlichen Menschen. Auf der anderen Seite herrscht ein hektisches Treiben, überfüllte Strassen und ein chaotisches Leben, das einen schnell überwältigen kann. Auch ist das mit Abstand die schmutzigste Stadt die je gesehen habe. Überall liegt Müll und nicht nur ein bisschen sondern ganze Berge.
Mein Tag in Nouakchott beginnt früh. Ich glaube, dass dies die einzige Tageszeit ist, in der man der glühenden Sonne entkommen kann. Im Hafenviertel herrscht bereits reges Treiben. Überall sehen meine Augen frische Fische, die auf Lastwagen verladen werden und bald in den örtlichen Küchen landen werden. Aber es ist die imposante Geschäftigkeit der Fischer die sich lohnt beobachtet zu werden. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen von Menschen, alles in einer geordneten Hektik. Die Farbenfrohen Boote reihen sich Hundertfach am Strand. Was für ein Anblick. Dies ist mit Abstand der grösste bzw. umtriebigste Fisch Markt den ich je gesehen habe.
Anschliessend mache mich weiter auf den Weg zu dem Kamelmarkt. Das reisen in den Taxis ist alleine schon ein grösseres Abenteuer als jede Reise in Europa. Und man staunt wie viele Leute in ein komplett schrottreifes Auto passen. Mit nur 2 Personen fährt man hier nicht los. Bei 4 lässt man mal den Wagen an aber erst bei 7 inklusive dem Fahrer ist das Ziel erfüllt und die Reise beginnt. Die Taxis verkehren jeweils nur in gewissen Bereichen, so muss ich 4 mal umsteigen um überhaupt ans Ziel zu gelangen. Was normalerweise 30 Minuten dauert streckt sich so auf 90 Minuten. Aber hey, ich hab ja Zeit.
Auf dem Kamelmarkt herrscht noch emsiges Treiben. Hier treffen sich die Händler, um ihre Tiere zu kaufen und zu verkaufen. Es ist ein Geschäft, das seit Jahrhunderten unverändert geblieben ist. Das Knarren von Ledersattel und Gurt, das Gebrüll der Tiere und das laute Geschäftemachen fesseln meine Aufmerksamkeit. Ich frage mich, wie lange diese Tradition noch weiterbestehen wird. Nicht an vielen Orten auf der Welt siehst du wie das Kamel auf die Ladefläche eines Pick up geladen wird.

Der Markt ist das letzte Abenteuer für heute. Ich höre den Ruf der Verkäufer, die ihre exotischen Waren anpreisen und versuchen, mich zum Kauf zu verführen.
Aber das ganze an den Kleidern ziehen der bettelnden Kinder ist irgendwie schwer zu ertragen.
Nach einem Tag voller Entdeckungen begebe ich mich auf den Rückweg zum Hotel. Ich mache an einem Restaurant Halt und geniesse ein kühles Getränk, Bier gibt es hier aber nicht, wie fast nirgends in Mauretanien. Zurück in der Unterkunft probiere traditionelles mauretanischen Essen. Kamelfleisch. Schmeckt ganz passabel 😉.
Morgen finden in Mauretanien Wahlen statt. Das ganze Land steht still. Nichts hat geöffnet und der ÖV fährt ebenfalls nicht. Das gibt mir die Möglichkeit für einen ruhigen Tag.
Nouakchott ist eine Stadt, die mich nur zum Teil erobert hat. Das pulsierende Leben, vielfältigen Abenteuer und kulturellen Reichtümer machen aus ihr eine Stadt, die nie langweilig wird. Der ganze Abfall ist aber ein richtiger Abturner und macht mich nachdenklich. Wie soll sich so die Natur jemals erholen?
Praktisches
- Anfahrt
- Sammeltaxis mit bis zu 7 Personen, mehrfaches Umsteigen nötig
- Fahrzeit
- 90 Minuten statt normalerweise 30 Minuten durch Sammeltaxi-System
- Fahrzeug
- Schrottreife Sammeltaxis
- Zeitbedarf
- Ein ganzer Tag für Fischereihafen, Kamelmarkt und Stadt
- Reisezeit
- Früh morgens wegen der Hitze
Steckbrief
- Ort
- Nouakchott, Mauretanien
- Erlebnis
- Fischereihafen am frühen Morgen und traditioneller Kamelmarkt mit jahrhundertealtem Handel
- Kontrast
- Lebendige Kultur und freundliche Menschen treffen auf die schmutzigste Stadt, die der Autor je gesehen hat
- Tipp
- Früh morgens zum Fischereihafen gehen, um der Hitze zu entgehen und das geschäftige Treiben zu erleben
- Was bleibt
- Die Frage, wie sich die Natur bei diesen Müllbergen jemals erholen soll
- Bereist
- Mai 2023